Unter Adlers Fittichen

Tagesheiliger: Zum Gedenken des heiligen Liutwin von Trier am 23. September. Von Katrin Krips-Schmidt

In der 1905 erbauten Pfarr-und Wallfahrtskirche Mettlach erzählt ein Mosaikzyklus vom Leben des heiligen Liutwin oder Lutwinus, der in dieser Kirche unter dem Hochaltar seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Dem großen Fürsprecher im Himmel zu Ehren, dem „Helfer aller Christenleut‘“ – wie es im Lutwinuslied heißt – findet alljährlich in Mettlach von Christi Himmelfahrt bis zum Pfingstsamstag die „Lutwinuswallfahrt“ statt.

Liutwin entstammte einem fränkischen Adelsgeschlecht. Er war der Sohn des Grafen von Paris und Poitou, des heiligen Warin von Poitou und von Gunza von Metz. Seine Großmutter war die heilige Sigrada, sein Onkel der heilige Leodegar. Außerdem war er mit dem heiligen Bischof Lambert von Maastricht verwandt, der angesichts der laxen Moral weltlicher Herrscher die Unauflöslichkeit der Ehe verteidigte und als Märtyrer verehrt wird.

Zunächst schlug Liutwin eine weltliche Laufbahn ein und war am fränkischen Hof als Beamter tätig. Er heiratete sogar und hatte drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Sein Leben sollte jedoch noch eine entscheidende Wendung nehmen – er tauschte nämlich „Kron' und Fürstenkleid“ gegen Buß' und Einsamkeit“ (Lutwinuslied): Viel dazu beigetragen hat die Begegnung mit seinem Onkel Basin (liturgischer Gedenktag ebenfalls der 23. September), der bis 705 Bischof von Trier war und der in Liutwin eine tiefe Liebe zum Glauben und zur Kirche erweckte.

Der Legende nach soll sich der große Wandel in seinem Herzen bei einem Jagdausflug in der Nähe der Saarschleife bei Mettlach vollzogen haben. Er wurde müde und schlief unter dem Schatten eines Baumes ein. Während er einige Zeit schlief, wanderte die Sonne weiter und damit auch der Schatten, sodass er plötzlich den sengend heißen Sonnenstrahlen ausgesetzt war. Da kam ein Adler herbei, blieb über dem Schlafenden in der Luft stehen, breitete seine großen Schwingen über ihm aus und spendete ihm Schatten. Liutwin erwachte und deutete dieses Ereignis als Fingerzeig Gottes, an der Stelle des Adlerwunders eine Kapelle zu errichten. Diese wurde zu einem Ausgangspunkt missionarischer Tätigkeit. Als Liutwins Frau starb, legte er die Mönchsgelübde ab und lebte als einfacher Mönch. Um 690 gründete er das Kloster Mettlach, das der Benediktinerregel folgte. 697 wurde er zum Koadjutor seines Onkels Basin ernannt und trat 705 dessen Nachfolge im Bischofsamt an. Später bestieg er noch den Bischofsstuhl von Laon im Norden Frankreichs und von Reims.

Liutwin starb am 29. September 717 in Reims. An seinem Grab ereigneten sich zahlreiche Wunder. Sein liturgischer Gedenktag wurde vom 29. September, dem Fest der heiligen Erzengel, auf den 23. September verschoben. Heute ist in der ehemaligen Benediktinerabtei von Mettlach, deren Gebäude während der Französischen Revolution aufgegeben wurden, die Hauptverwaltung der Firma Villeroy und Boch untergebracht.

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