Umwelt und Soziales gehören zusammen

Papst Franziskus sprach vor Bürgermeistern aus aller Welt über seine Sicht der Bewahrung der Umwelt. Von Guido Horst
Foto: KNA | Aachen: Der Karlsschrein fasziniert seit Jahrhunderten.
Foto: KNA | Aachen: Der Karlsschrein fasziniert seit Jahrhunderten.

Rom (DT) Auch Bürgermeister großer Städte hatten den Weg in den Vatikan gefunden: Anne Hildago war unter den Anwesenden, erste Bürgerin von Paris. Bill de Blasio aus New York, Manuela Carmena aus Madrid, Giuliano Pisapia aus Mailand und selbstverständlich Ignazio Marino aus Rom. Aber es kamen auch Vertreter kleiner Kommunen, so etwa die Bürgermeisterin der Flüchtlingsinsel Lampedusa, Giusi Nicolini. Eingeladen hatten die Päpstlichen Akademien für die Wissenschaften und für die Sozialwissenschaften und am Dienstagnachmittag ist Papst Franziskus in der Synodenaula des Vatikans mit den Teilnehmern dieses „Workshops“ zusammengekommen, der unter dem Arbeitsthema „Moderne Sklaverei und Klimawandel: Das Engagement der Städte“ stand. Franziskus eingerahmt von zwei Freunden: Dem argentinischen Erzbischof Marcelo Sánchez Sorondo, seines Zeichens Kanzler der beiden Päpstlichen Akademien, und dem brasilianischen Kardinal und ehemaligen Kurienpräfekten Claudio Hummes, den der Papst selber als Kenner der Verwüstungen des Amazonasbeckens vorstellte. Vor ihm eine gute gefüllte Synodenaula, unter den Anwesenden insgesamt um die sechzig Bürgermeister aus aller Welt und weitere Kommunalpolitiker.

Aber noch ein weiterer Kardinal stand in unmittelbarer Nähe des Papstes: Francesco Montenegro, der Erzbischof von Agrigent auf Sizilien und Experte in Migrationsfragen, den Franziskus beim letzten Konsistorium mit dem Purpur ausgezeichnet hat. Der Anlass für die Tagung der Päpstlichen Akademien war der Klimagipfel der Vereinten Nationen in Paris. „Ich hege große Hoffnungen für die Umweltkonferenz in Paris im kommenden Dezember“, sagte Franziskus, als er das Wort ergriff, und fügte hinzu: „Ich hoffe sehr, dass die Vereinten Nationen ein grundlegendes Abkommen erarbeiten werden, weil sie in der Tat zu diesen Themen klare Positionen einnehmen sollten. Ich denke an die Probleme des Klimawandels, aber auch an den Menschenhandel.“

Bei seiner Ansprache ging der Papst auf die Kerngedanken seiner Enzyklika Laudatio si, so wie er es auch schon bei den Volksbewegungen im bolivianischen Santa Cruz de la Sierra getan hatte: Er hob die enge und gegenseitige Verbindung von Mensch und Natur hervor und betonte die wechselseitigen Wirkungen, wenn der Mensch die Schöpfung misshandle. Daher sei seine Enzyklika keine Umwelt-, sondern eine Sozialenzyklika. Die Sorge für die Umwelt könne nicht von der sozialen Verantwortung der Menschen für Mensch und Umwelt getrennt werden. Ihm, so der Papst, gefalle besonders die italienische Bezeichnung „creato“ – „Schöpfung“, einer Schöpfung Gottes, die dem Menschen als Geschenk anvertraut worden sei. Als ein Beispiel für die Wechselwirkung von Mensch und Umwelt nannte Franziskus das Phänomen der Technokratie, die zu einer alarmierend hohen Arbeitslosigkeit vor allem unter den Jugendlichen führe. Doch welche Zukunft habe eine arbeitslose Jugend, fragte der Papst. Auch die Verunreinigung von Luft und Wasser sowie die Abholzung der Wälder seien eng mit der Migration und dem Menschenhandel verbunden, meinte Franziskus. Menschen, die ohne Vertrag und Sozialbeiträge arbeiteten, seien versucht und gezwungen, ihren Verdienst mit anderen, auch illegalen, Aktivitäten aufzubessern. Die moderne Sklaverei sei eine der Folgen dieser Lage. Im Mineralabbau herrschten Bedingungen, die Menschen auf die Stufe von Sklaven herabwürdigten. Die Vergehen gegen die Natur zögen die Missachtung der Menschenwürde nach sich, wie es bei der Ausbeutung der Menschen, beim Menschenhandel und der Prostitution der Fall sei.

Zum Abschluss des „Workshops“ gingen die Bürgermeister und Kommunalpolitiker in einer gemeinsamen Erklärung dann wieder mehr auf den Klimawandel ein. Die von Menschen gemachte Erwärmung des Weltklimas sei eine wissenschaftliche Tatsache und ihre Kontrolle ein moralischer Imperativ für die Menschheit. Neben dem Anerkennen der menschengemachten Ursachen spricht das Dokument von der Wichtigkeit der Städte bei der Lösung der Probleme. Man habe auf der Grundlage der Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus Fragen des Klimawandels und der sozialen Exklusion besprochen, heißt es in dem Text. Die Bürgermeister sprachen sich für erneuerbare Energien und die Verlagerung von Staatsausgaben weg von militärischen Zwecken hin zu nachhaltigen Investitionen aus. Der Klimagipfel in Paris zum Ende dieses Jahres sei vielleicht die letzte Möglichkeit, die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten, während die augenblickliche Entwicklung eher vier Grad und damit sehr viel Zerstörung erreichen werde. Am Dienstagnachmittag, zum Abschluss der Begegnung mit den Teilnehmern der Konferenz, setzte auch Papst Franziskus seine Unterschrift unter das Dokument.

Themen & Autoren

Kirche

Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann