Überzeitliche Kraft der Kirche

Berlin wäre eine lateinische Messe wert gewesen

Ganz ohne Zweifel war der Gedenkgottesdienst zum 70. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs am 30. August in der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale würdig und recht. Zweifellos setzte er das Versöhnungswerk fort, das die deutschen und polnischen Bischöfe 1965 – gegen zahlreiche Widerständen innerhalb und außerhalb ihrer Heimatländer – begonnen hatten, und sicherlich wird sich keine ernstzunehmende Stimme erheben, um die Predigt vom Tarnower Bischof Wiktor Skworc oder das Schlusswort des Warschauer Erzbischofs Kazimierz Nycz zu kritisieren. Nein, an den Fakten gibt es nichts zu beanstanden. Gleichwohl wollte sich in dem von Friedrich dem Großen nach dem gewonnenen Schlesischen Krieg gestifteten katholischen Gotteshaus keine Stimmung einstellen, der man das Gütesiegel „historisch“ verleihen möchte. Dabei nahm mit Bundespräsident Horst Köhler sogar das – protestantische – deutsche Staatsoberhaupt an der heiligen Messe teil.

Dem Anlass war es geschuldet, dass sich Polen und Deutsche in der Kathedrale versammelt hatten, deren Namenspatronin die heilige Hedwig von Schlesien ist – die übrigens aus dem bayerischen Andechs stammte und zu ihrer Zeit auch schon eine Völkerversöhnerin war. Wäre es also nicht angemessen gewesen, die Messe auf Latein zu feiern? In der Sprache der römisch-katholischen Kirche? Hätte man nicht statt Melodien von Mozart ein gregorianisches Kyrie, Gloria und Credo und statt Chor und Orchester eine Choralschola wählen sollen? Wäre damit nicht genuin zum Ausdruck gekommen, dass es gerade die überzeitliche Kraft der universalen Kirche Christi ist, die den Hass und die Spaltung im Kalten Krieg überwunden hat und das auch in Zukunft tun wird?

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