Türkische Christen beten für schwerkranken Patriarchen

Istanbul (DT/KNA) Die Oberhäupter aller christlichen Gemeinden in der Türkei beten gemeinsam für den schwer erkrankten armenischen Patriarchen Mesrob II. Zum zehnten Jahrestag seines Amtsantritts wollten am Freitagnachmittag der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., der katholische Bischof Louis Pelatre und die Oberhäupter der syrisch-orthodoxen und armenisch-katholischen Gemeinden zum Gebet in der Asdvadzadzin-Kirche am armenischen-orthodoxen Patriarchat zusammenkommen. Der 52-jährige Patriarch leidet unter einer zuletzt rasch fortschreitenden Erkrankung des Frontalhirns, die sein Erinnerungsvermögen und seine Aufmerksamkeitsspanne stark beeinträchtigt. Seine Amtsgeschäfte nimmt schon seit geraumer Zeit ein Vertreter wahr. Der armenische Patriarch von Istanbul und der ganzen Türkei ist geistliches Oberhaupt von landesweit offiziell 68 000 Gläubigen. Vor dem Völkermord im Jahr 1915/17 gab es auf dem Gebiet der heutigen Türkei noch über eine Million Armenier. Dennoch ist die armenische nach wie vor die größte christliche Minderheit in dem zu 99 Prozent muslimischen Land. Auch türkische Wissenschaftler gehen zudem von zehntausenden „Krypto-Armeniern“ aus, also heimlichen Christen, die nur nach außen als Muslime leben. Mesrob II. zeichnete sich in seiner Amtsführung durch ökumenische Gesinnung und politisch differenzierte Stellungnahmen aus. So nannte er es unabdingbar, dass Europa die Türkei integriert. Eine europäische Türkei werde „friedlicher und weniger falkenhaft sein“, so seine Einschätzung.

Themen & Autoren

Kirche