Trappist und Mystiker

Der heilige Rafael Arnaiz Baron – 26. April. Von Katrin Krips-Schmidt

Papst Benedikt XVI. nahm am 11. Oktober 2009 den von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1992 seliggesprochenen Frater Rafael Arnaiz Baron in das Verzeichnis der Heiligen auf. 1989 wurde der bereits mit 27 Jahren verstorbene Mystiker und Trappisten-Oblate auf dem Weltjugendtag in Santiago de Compostela als Vorbild der Nachfolge Christi besonders den jungen Menschen vorgestellt.

Rafael kam am 9. April 1911 im spanischen Burgos als erster von vier Söhnen einer wohlhabenden Adelsfamilie auf die Welt. Er wuchs in einer tief religiösen Umgebung auf, besuchte ab 1922 das Jesuiten-Kolleg und studierte schließlich in Madrid Architektur. Mit achtzehn Jahren fühlte Rafael sich zum Ordensleben hingezogen. Er begann zu diesem Zeitpunkt ein intensives Gebetsleben. Rafael wurde von seinen Zeitgenossen als kultivierter, intellektuell begabter und fröhlicher junger Mann beschrieben, der auch künstlerische Ambitionen besaß und sportlich war. Nach dem Ableisten seines Militärdienstes überraschte er im Alter von zweiundzwanzig Jahren seine Familie und Freunde mit der Ankündigung, sein Leben von Grund auf zu ändern: 1933 trat er in das Trappistenkloster San Isidro de Duenas in Palencia ein. Das Schweigen der Zisterzienser faszinierte ihn, der Gesang der Mönche ergriff sein Herz. Dort wurde er mit dem weißen Habit des Novizen eingekleidet und dort erhielt er, wie bei den Trappisten üblich – als Ordensnamen den Namen Maria seinem eigenen vorangestellt. Doch nur wenige Monate nach seinem Eintritt ins Kloster wurde im Mai 1934 eine Krankheit bei Frater Maria Rafael diagnostiziert. Er litt an einer schweren Form des Diabetes Mellitus und musste nach Hause zurückkehren, wo er sich erholen sollte. Im Januar 1936 kam er zurück in die Abtei. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes, der ihm nicht mehr erlaubte, der strengen Ordensregel zu folgen, konnte er jedoch nicht die Profess ablegen, worunter er sehr litt. So lebte er fortan als Oblate auf der Krankenstation.

Seit 1936 wurde Spanien durch den Bürgerkrieg erschüttert. Es wurde nun schwierig, für Rafael die erforderlichen Medikamente zu besorgen. Von September bis Dezember 1936 schickte man ihn erneut nach Hause, und dann noch einmal von Februar bis Dezember 1937. In sein Tagebuch notierte Rafael: „Dies ist das dritte Mal, dass ich mein Ordensgewand ablege und weltliche Kleidung anziehe. Das erste Mal glaubte ich vor Kummer zu sterben. Ich glaubte, Gott habe mich verlassen. Das zweite Mal ging ich wegen des Krieges. Ich ging gerne. Ich ging auf Urlaub. Das Neue, das der Krieg mit sich brachte, die Neugierde, einige Tage Erholung von den Bußübungen erschienen mir gut. Ich wusste, dass mir die Rückkehr ins Kloster schwerfallen würde. Ich erkannte, dass Gott mich auf die Probe stellte. Das dritte Mal – das ist jetzt – sehe ich Gottes Hand so deutlich, dass es mir einerlei ist, denn das Leid ist die einzige ,Währung‘, die eines Tages Wert haben wird. Jetzt bin ich mir bewusst, dass Gott mich nicht verlässt oder prüft, sondern liebt.“

In Burgos hätte er besser versorgt werden können, dennoch entschied er sich dafür, nach seiner dritten Rückkehr im Kloster zu bleiben.

Der Abt bekleidete Rafael schließlich am 17. April 1938, wenige Tage vor seinem Tod am 24. April, ehrenhalber mit dem Gewand der Professmönche.

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