Tiefreligiöse Mutter

Seligsprechungsverfahren für Kaiserin Zita eröffnet

Wien (sb) Im Oktober 2004 sprach Papst Johannes Paul II. in Rom den letzten regierenden Kaiser von Österreich-Ungarn, Karl I., selig. Nun wurde in der nordfranzösischen Diözese Le Mans unter dem Vorsitz des Diözesanbischofs ein Seligsprechungsverfahren für dessen Gattin, Kaiserin Zita, eröffnet.

Zita von Bourbon-Parma, die als Tochter des letzten regierenden Herzogs von Parma am 9. Mai 1892 in der Villa delle Pianore bei Lucca zur Welt kam, heiratete am 21. Oktober 1911 den österreichischen Erzherzog Karl, der mit dem Tod Kaiser Franz Josephs 1916 mitten im Ersten Weltkrieg Kaiser von Österreich und König von Ungarn wurde. 1919 musste die kaiserliche Familie die Heimat verlassen und ins Exil in die Schweiz gehen.

Nach dem Scheitern des zweiten Restaurationsversuchs in Ungarn, an dem Zita aktiv beteiligt war, wurde die Familie auf die portugiesische Atlantikinsel Madeira verbannt. Dort starb Kaiser Karl im Alter von nur 35 Jahren an einer Lungenentzündung und wurde von der einheimischen Bevölkerung rasch als Heiliger verehrt.

Zita zog ihre acht Kinder nun alleine groß: tiefreligiös, verantwortungsbewusst und sehr diszipliniert, wie sie selbst war. Nach Aufenthalten in Spanien, Belgien und Frankreich musste die Witwe des Kaisers vor Hitlers Vormarsch 1940 aus Europa fliehen. Während ihr Erstgeborener, Otto, in Washington auf die Nachkriegspläne Amerikas Einfluss nahm, lebte Zita in Kanada und widmete sich humanitären Aktionen für das notleidende Europa. Die Republik Österreich verweigerte ihr jahrzehntelang die Heimkehr.

Nach 63-jährigem Exil konnte die Kaiserin am 17. August 1982 erstmals wieder österreichischen Boden betreten. Zita starb am 14. März 1989 im St. Johannes-Stift in der Schweiz, wohin sie sich 1962 zurückgezogen hatte. Sie liegt in der Kaisergruft der Wiener Kapuzinerkirche, dem traditionellen Begräbnisort der Habsburger Herrscher, bestattet.

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