Tiefe geistliche Ausstrahlung

Ein Nachruf auf den Jesuitenpater Albert Keller vON mONIKA gATT

München (DT) „Und Sie sagen mir nicht, was Allgemeinbildung ist!“ Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit der am 5. Juli verstorbene Professor Albert Keller SJ, Philosoph an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München, uns Erstsemestern zu verstehen gab, wie man jemandem antwortet, der einem mangelnde Allgemeinbildung ankreidete und selbst so tut, als wüsste er es besser. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, sprach schon Sokrates vor zweieinhalbtausend Jahren.

Albert Keller wurde am 30. April 1932 als zweites von drei Kindern der Familie eines Facharbeiters in Nieder-Roden geboren. Er studierte Philosophie an der Philosophischen Hochschule der Jesuiten im Berchmannskolleg in Pullach und wurde 1962 mit der Arbeit „Sein oder Existenz? Das Sein bei Thomas von Aquin in der Deutung der heutigen Scholastik“ an der philosophischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität promoviert. Anschließend studierte er Theologie in Rom. Als 33-Jähriger wurde er 1963 zum Priester geweiht. An der Philosophischen Hochschule lehrte er Sprachphilosophie und Erkenntnislehre. Der Präsident der Hochschule, Professor Michael Bordt SJ sagte, dass Keller als erster Rektor der Hochschule in München maßgeblich dazu beigetragen habe, das Bewusstsein für den großen Stellenwert der Philosophie bei der Bewältigung persönlicher und gesellschaftlicher Lebensfragen wieder zu schärfen. Der Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten, Stefan Dartmann SJ, würdigte die „große geistige und geistliche Ausstrahlung“ Kellers. In Kellers 1981 erschienenen Buch „Zeit-Tod-Ewigkeit“, das erst vor kurzen wieder neu aufgelegt wurde, heißt es: „Du kannst Deine Gegenwart nicht verstehen, wenn du nicht bedenkst, dass sie vergeht; dein Leben nicht, wenn du den Tod ausklammerst; die ganze Welt nicht, wenn du nicht nach dem Endgültigen fragst.“

Keller beschäftigte sich zudem mit der Philosophie der Freiheit. In seinem Buch „Philosophie der Freiheit“ schreibt er: „Ohne den Begriff Freiheit sind zentrale Probleme des menschlichen Lebens nicht erläuterbar. Personalität etwa lässt sich ohne Freiheit ebenso wenig fassen wie Verantwortlichkeit und Eigenständigkeit. Auch Norm, Recht, Sinn des Lebens, der Bereich des Sollens sind nur von der Freiheit her zu erschließen. So wäre unser bewusstes Verhalten oft unfassbar, wenn die Frage nach der Freiheit nicht gestellt wird.“ Er erörtert folgendes Dilemma: „Freiheit kommt entweder mit Vernunft oder aber ohne sie vor. Andererseits scheint Freiheit sowohl durch das Vorhandensein wie durch das Fehlen der Vernunft ausgeschlossen zu werden. Folglich scheint Freiheit unmöglich.“

Pater Keller SJ verstarb am 5. Juli 2010. Am Freitag wurde er auf dem Ordensfriedhof in Pullach im Isartal beigesetzt. Ein Gedenkgottesdienst ist am 18. Juli um 9 Uhr in der Jesuitenkirche St. Michael in München.

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