„Teilen Sie Christus mit der Welt“

Neuevangelisierung, Gebet und viel Musik: Mehr als 1 500 Teilnehmer kamen zum 16. Internationalen Forum Altötting. Von Teresa Engländer
Foto: Symbolbild: KNA | Ein Glaubensfest für alle Generationen: Das Internationale Forum überzeugte auch in diesem Jahr durch ein facettenreiches Programm.
Foto: Symbolbild: KNA | Ein Glaubensfest für alle Generationen: Das Internationale Forum überzeugte auch in diesem Jahr durch ein facettenreiches Programm.

Altötting (DT) Mit mehr als 1 500 Teilnehmern ist das 16. Internationale Forum der katholischen Gemeinschaft Emmanuel am Sonntag zu Ende gegangen. Eine intensive Woche mit vielen Angeboten zum Motto „Du führst mich hinaus ins Weite“ hatte den Besuchern eine Fülle von Impulsen mit auf den Weg gegeben. Zum Auftakt hatten Claudia und Thomas Lütkemeier, ein Ehepaar der Gemeinschaft, über den „Glauben, der nach Freiheit schmeckt“ gesprochen und dazu ermuntert, die Unebenheiten im Lebenslauf vertrauensvoll Gott zu überlassen, der sie in eine runde Sache verwandle. Sie motivierten in humorvollen und schlagfertigen Dialogen die Forumsteilnehmer, sich in der Stille und im Austausch mit anderen zu fragen: „Wo möchte ich weit werden im Alltag und in meinem Leben?“

Gott ist voller Sehnsucht nach dem Menschen

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz sprach vom authentischen Leben und der Freiheit, zur Person zu werden, zu der er von Gott gedacht sei. Die Zehn Gebote wären gleichzeitig zehn Möglichkeiten, um frei zu werden. Jeder Mensch sei von Gott gewollt, durch seinen guten Willen gewollt und einzigartig gedacht. Unser Körper sei veränderlich, aber unser Leib sei es nicht. In ihrer philosophischen „Werkstatt Wahrheit und Freiheit“ markierte Falkovitz den wesentlichen Unterschied zwischen dem Menschen und einer Kuh: „Die Kuh ist nur glücklich, aber sie weiß es leider nicht.“ Der Mensch sei das einzige „vernehmende Wesen“, das mit einer Vernunft ausgestattet sei, dem einzigen Werkzeug, das sich über seinen Charakter erklären kann. „Ich bin in mir, aber ich bin auch gleichzeitig über mir. Ich stehe immer auch in Reflexion über mich“, sagt sie.

Über den Heiligen Geist, der lebendig macht, sprach die französische Ärztin und gleichzeitig ein Gründungsmitglied der Gemeinschaft Emmanuel, Martine Catta. Der Heilige Geist sei ein reales Gegenüber, er verwandle jeden, der dies ersehne, zum brennenden Feuer und zur lebendigen Quelle. Pastor Eckard Krause lud dazu ein, sich missionarisch auf den Weg zu machen und Gott mit der Welt zu teilen; einen Gott, der arm sei, weil ihm das Objekt seiner Liebe, der Mensch, verloren gegangen sei. „Ich habe immer gedacht, Gott geht es gut, und er lässt sich von Engeln den Nektar reichen. Doch das Zeichen unseres Gottes sind keine großen Tempel und großen Dome.“ Gott sei voller Sehnsucht nach den Menschen. Christen heute sollten ihn fragen, was sie für ihn tun könnten und dabei keine Angst haben, denn: Er lasse sich nichts schenken. Er gebe immer mehr zurück als wir ihm anbieten könnten. „Teilen Sie Christus mit der Welt und tun Sie es mit Lust“, rief er den Forumsteilnehmern zu.

Der Münsteraner Weihbischof Stefan Zekorn verglich in seiner Festpredigt die Pflege der Beziehung zwischen Gott und dem Menschen mit einem Handy. Wir müssen es erst aufladen und dann die Sim-Karte einlegen, bevor die Verbindung da ist. Das Codewort für die Sim-Karte ist dabei das Gebet, welches der Pflege bedarf. Auch das Studium der Heiligen Schrift sei wichtig. „Die Heilige Schrift wirkt unmittelbar in unsere Zeit hinein“, so der Weihbischof.

Ob in philosophisch-theologischen Gesprächsrunden oder in alltagspraktischen Referaten über Berufungs- und Erziehungsfragen, Altenpflege, Lebensschutz oder unseren Umgang mit Geld und Karriere – die Workshops am Nachmittag gaben in vielerlei Hinsicht wertvolle Anregungen, dem eigenen Leben mehr Tiefe und Weite zu geben. Beim Abendprogramm bekamen die Teilnehmer in packenden Lebensgeschichten den hilfreichen Impuls, um das Gehörte zuhause umzusetzen. Während eines so großen Events, bei dem man ständig neue Leute kennenlernt und neue Dinge hört, ist es sehr wichtig, sich nicht in der Masse zu verlieren. Daher gibt es die sogenannten „Weggemeinschaften“. Das sind feste Gruppen von je etwa zehn Personen, die für die gesamte Dauer des Forums bestehen bleiben. Auf dem Forum trafen sich diese Gruppen einmal am Tag, um über das zu reden, was man am Forum erlebt hat. „Was habe ich aus dem Programm mitgenommen? Was war heute sonst wichtig für mich? Womit habe ich vielleicht Schwierigkeiten?“ Diese Weggemeinschaften sind ein wichtiger Teil des Forums. Denn wir sind dazu berufen, unseren Glauben in Gemeinschaft und nicht als „Einzelkämpfer“ zu leben. Oft spricht Gott, so sind die Mitglieder der Gemeinschaft Emmanuel überzeugt, nicht nur im Gebet oder im Gottesdienst zu uns, sondern auch durch unsere Mitmenschen. Die Weggemeinschaften am Forum sind eine echte Chance, mit anderen Christen ins Gespräch zu kommen und dadurch im Glauben gestärkt zu werden.

Vom Trubel und zahlreichen Begegnungen erschöpft, konnte jeder im stillen Gebet, im Gespräch mit einem Priester und in der eucharistischen Anbetung ausruhen und seine persönlichen Anliegen vor Gott bringen und so neuen Atem schöpfen. Besonders am „Abend der Barmherzigkeit“ standen die Menschen Schlange, um zu beichten und für sich beten zu lassen. Ein wichtiges Instrument um innezuhalten und mit Gott in Verbindung zu bleiben ist auf dem Forum der Lobpreis und die gestaltete Liturgie. „Wer singt, betet doppelt“, lautet ein geflügeltes Wort. Und der Katechismus sagt zum Lobpreisgebet: Es ist „die Gebetsform, die Gott am unmittelbarsten anerkennt“ und die „alle anderen Formen des Gebets in sich enthält“. Lobpreis ist da Werkzeug, von uns wegzuschauen. Im morgendlichen Lobpreis auf dem Forum und in der Liturgie öffneten sich die Herzen der Teilnehmer für das Wort Gottes.

Ein Open-Air-Musical über das Leben Mutter Teresas

Während die Jugendlichen und die Eltern sich in Ruhe Talks und Impulse anhören konnten, waren die Kinder beim eigenen Kinderforum beschäftigt. Die Freude über das vielseitige Programm mit Gleichaltrigen, die schnell zu Freunden wurden, stand den Kindern ins Gesicht geschrieben, wenn sie am späten Nachmittag wieder mit ihren Müttern und Vätern zusammenkamen, um einen Teil des Tages als Familie zu verbringen.

Neben altersgemäßen Vorträgen und einem eigenen Barmherzigkeitsabend veranstalteten die Jugendlichen auch eine Stadtrallye. Es gab Gelegenheit, im See zu baden und am Lagerfeuer zu sitzen. Die Kinder unternahmen verschiedenste Ausflüge, etwa ins Schokoladenmuseum, bastelten und beteten gemeinsam. Etwa 700 Besucher kamen zum glanzvollen Open-Air-Musical „Come be My Light“ zum Leben der seligen Mutter Teresa, das von den Studenten der „Emmanuel School of Mission“ (ESM) aufgeführt wurde. Die Meinung einer Besucherin: „Das Musical von Mutter Teresa war total super, authentisch, einfach gesegnet! Danke für den Segen und die wunderbare Musik und Darstellung!“ Ein weiterer musikalischer Höhepunkt war das Musical der Kisi-Kids, die mit aufwendigen Kostümen und einstudierten Liedern über „Lilli und der kugelrunde Freund, einer Parallelgeschichte zu Lazarus“ die Zuschauer begeisterten.

Zum Abschluss des Forums ermutigten Sandra und Jürgen Mathis, ein Ehepaar der Gemeinschaft, die Forumsteilnehmer, die Verbindung mit Gott zu halten und die von Gott geschenkte Freiheit und Freude weiterzugeben. Das Paar hat aus eigener Erfahrung erlebt: Gott holt uns ab, wo wir stehen. Wir brauchen daher keine Angst zu haben. Die Entscheidung für Gott brauche aber ein entschiedenes „Ja“: „Immer dort, wo ich mich entschieden habe und ,Ja‘ gesagt habe, bin ich in die Freiheit geführt worden“, ermuntert Jürgen Mathis. Wir sollen nicht allein bleiben, sondern die Gemeinschaft mit anderen suchen. „Geht mit Gott und geht nicht alleine“ geben die Eheleute den Teilnehmern mit auf den Weg. Den Aspekt des Gottvertrauens griff Pfarrer Markus Wittal im Abschlussgottesdienst auf. Anhand des Evangeliums über Petrus, der über das Wasser auf Jesus zugeht, fragte Wittal die konzentriert zuhörende Menge in der bis auf den letzten Platz gefüllten Basilika: „Wie kommt Petrus nur auf die Idee zu sagen: Wenn du es bist, dann komme ich zu dir? Eigentlich würde man doch eher sagen: ,Jesus, wenn du es bist, dann komm zu uns. Im Boot ist es gemütlicher als da draußen auf dem See.‘“

Motto: „Du führst mich hinaus ins Weite“

Petrus habe den mutigen Schritt getan, die Sicherheit des Bootes zu verlassen und über das Wasser zu gehen und dafür liebe ihn Jesus. Das sollten wir uns zu Herzen nehmen, sagt Wittal. Auch wir sollten den Mut haben, Jesus zu folgen und dafür Sicherheiten aufgeben. „Nehmen wir das Wort mit: Du führst mich hinaus ins Weite“, sagte er mit Blick auf das Motto des Forums, unter dem die gesamte Woche in Altötting stand. Wichtig sei, nicht den Blick auf Jesus zu verlieren. Im Evangelium bekäme Petrus erst Angst, als er den Blick zu Jesus abwendet und auf die stürmische See schaut. „Du gibst dem Raum im Leben, was du anschaust“, meinte Wittal. Petrus habe gelernt, dass der Blick Jesu Kraft erhalte. Lernen wir fliegen wie ein kleiner Adler, der zunächst von den Eltern getragen werde, dann etliche Flugversuche mit weniger Hilfe der Eltern unternehme und schließlich alleine fliegen könne. „Lernen wir fliegen“, schließt Markus Wittal seinen Vortrag.

Ob Jugendliche, Teenies, Kinder oder Erwachsene – ihr persönliches Fazit dieser Tage: Das Kommen hat sich gelohnt – viele fuhren mit neuen Erfahrungen, Anregungen für ihr Leben und ihren Alltag, und vor allem mit neuer Freude und Hoffnung, wie die 28-jährige Regine, die schreibt „ich komme gerade heute vom Forum in Altötting und es war so gesegnet und wunderbar für mich! Bevor wir abgefahren sind hatte ich viele Streitereien bei der Arbeit und auch sonst, war schlecht drauf, wusste gar nicht mehr, ob ich fahren sollte. Und ich war sehr erschöpft. Doch schon bei der Busfahrt dorthin beruhigte sich mein Herz beziehungsweise: Der Herr beruhigte mein Herz. Sehr gut getan hat mir der morgendlich Lobpreis, die heilige Messe und die Anbetung vor dem Allerheiligsten. In der Anbetungskapelle vor dem Herrn ging es mir so gut, ich hätte so lange drin sein können. Jede Begegnung und jedes Gespräch war ein Segen.“

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