Tagesheiliger: 9. Juni: Der heilige José de Anchieta

Von Katrin Krips-Schmidt

Die brasilianischen Millionenstädte Sao Paolo und Rio de Janeiro sind ehemalige Missionsstationen. Sie gehen auf den heutigen Tagesheiligen, auf José de Anchieta zurück, der am 22. Juni 1980 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen und am 3. April 2014 von Papst Franziskus kanonisiert wurde.

José de Anchieta kam am 19. März 1534 in San Cristóbal de La Laguna auf Teneriffa zur Welt. Beeindruckt von den Briefen des Jesuitenmissionars Franz Xaver trat der Achtzehnjährige am 1. Mai 1551 selbst der Gesellschaft Jesu im portugiesischen Coimbra bei. Fast wäre er wegen seiner gesundheitlichen Probleme (er hatte ein verkrümmtes Rückgrat) entlassen worden, doch nur zwei Jahre nach seinem Eintritt – José war noch keine zwanzig Jahre alt – sandten ihn seine Oberen in die Mission nach Brasilien, das erst einige Jahrzehnte zuvor entdeckt worden war. Dort sollte er 44 Jahre seines Lebens mit dem Aufbau von Missionsstationen und der erfolgreichen Evangelisierung der Bevölkerung verbringen.

1554 gründete er mit dem damaligen Ordensgeneral der Jesuiten in Brasilien, Manuel da Nobrega (1517–1570), die dem heiligen Paulus geweihte Station Piratininga, aus der sich Sao Paolo entwickelte. Fast zehn Jahre lang unterrichtete er dort als Lehrer die Söhne der Kolonisten und der Indios.

Gleichzeitig lernte der ungewöhnlich sprachbegabte Pater José nach seiner Priesterweihe die Sprache der indianischen Ureinwohner des Landes und verfasste Katechismen sowie ein Wörterbuch und eine Grammatik für die im südlichen Brasilien lebenden Tupi. Auch sein großes musikalisches und dichterisches Talent setzte er ein, um das Evangelium unter der Bevölkerung zu verbreiten. So verfasste der „Orpheus brasilicus“, wie er auch genannt wurde, geistliche Lieder und Gedichte und schuf darüber hinaus Theaterstücke mit christlichen Glaubens- und Moralinhalten.

1567 wurde Pater José zum Provinzial der brasilianischen Jesuitenprovinz ernannt. Seine vielen beschwerlichen Missionsreisen durch das Land schwächten den gesundheitlich seit seiner Jugend bereits angeschlagenen Heiligen zusätzlich, so dass er 1584 sein Amt schließlich niederlegte, bis zu seinem Tod am 9. Juni 1597 in Reritiba (heute: Anchieta) jedoch noch weiterhin als Lehrer und erfolgreicher Missionar tätig war.

In Brasilien wird der „Apostel Brasiliens“ oder „neue Xaver“ nicht nur als Nationalheiliger, sondern auch als Wundertäter verehrt, dem viele legendäre Heilungen nachgesagt werden.

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