Tagesheiliger: 8. Oktober: Seliger Gunther von Regensburg

Von Katrin Krips-Schmidt

Das Kloster Emmeram in Regensburg wurde um 739 von Benediktinern am Grab des heiligen Wanderbischofs Emmeram gegründet. Die Vorsteher dieses Klosters waren von 739 bis 975 zugleich die Bischöfe von Regensburg. Zu den in dieser Zeit auf der Bischofsliste des Klosters verzeichneten Bischöfen gehörte der selige Gunther von Regensburg als elfter Oberhirte der Stadt an der Donau.

Von seinem Leben ist nicht viel überliefert, doch einige legendenartige Erzählungen haben sich über den ehemaligen Mönch des Klosters Sankt Emmeram erhalten. So berichtet Thietmar von Merseburg (975–1018), Bischof von Merseburg und Geschichtsschreiber der Ottonen, dessen „Merseburger Chronik“ als eine der wichtigsten Quellen des Mittelalters gilt, von der Ernennung Gunthers auf den Bischofsstuhl: Als Abtbischof Konrad Isangrim sein Ende nahen fühlte, ließ er den von allen wegen seiner Frömmigkeit und Wohltätigkeit geschätzten Mönch Gunther zu sich kommen. Er sagte zu ihm: „Höre, was mir der Herr offenbart hat: Du wirst mein Nachfolger als Abt von Sankt Emmeram und Bischof von Regensburg werden. Aber du wirst es nicht lange sein. Denn schon bald nach deiner Ernennung wirst du sterben.“

„Der Kaiser rief daraufhin alle Mönche zusammen und erzählte ihnen von seinem Traum“

Kurz danach verschied Isangrim, und Kaiser Otto I. sollte, während er in Regensburg weilte, seinen Nachfolger bestimmen. Nachts erschien ihm im Traum der Herr und sagte zu ihm: „Mache den zum Bischof, der dir morgen als Erster entgegenkommt, wenn du in die Kirche gehst.“ Als der Kaiser am nächsten Tag in die Kirche ging und an die verschlossene Pforte klopfte, öffnete ihm Gunther, der an diesem Tag Küsterdienst hatte. Der Kaiser rief daraufhin alle Mönche zusammen und erzählte ihnen von seinem Traum und davon, wie er sich erfüllt hatte. Einstimmig wählten sie Gunther zum neuen Bischof von Regensburg. Doch wie sein Vorgänger es prophezeit hatte, konnte Gunther sein Amt nicht lange ausüben. Ein halbes Jahr nach seiner Bischofsweihe wurde er sehr krank und starb am 8. Oktober 942.

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