Tagesheiliger: 6. Juni: Der selige Bertrand von Aquileia

Von Katrin Krips-Schmidt

Nur wenig bekannt dürfte hierzulande der selige Bertrand (deutsch: Bertram) von Aquileia oder auch Bertrand von Saint Génies sein. In seinem Heimatdorf in der Dordogne, zweihundert Kilometer östlich von Bordeaux, weiß man mehr über ihn. Dort existiert sogar ein Verein der „Freunde von Bertrand von Saint-Génies“, die sich um Völkerverständigung und einen kulturellen Austausch mit dem Nachbarn Italien bemühen. An jedem letzten Samstag im Mai feiern sie noch heute eine Messe zu Ehren ihres Schutzheiligen, der in der Provinz von Friaul in Oberitalien im 14. Jahrhundert in politisch instabilen Zeiten als Bischof wirkte.

Der Selige erblickte im Jahr 1260 in Saint-Génies das Licht der Welt. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften lehrte er als Professor an der Universität von Toulouse. Anschließend war er für die Rota tätig, und 1334 wurde der für sein diplomatisches Geschick bekannte Gelehrte von seinem Landsmann Papst Johannes XXII. zum Patriarchen von Aquileia in der heutigen Provinz Friaul ernannt. Als er an seiner neuen Wirkungsstätte eintraf, fand er eine recht unübersichtliche und schwierige Situation vor: Das Patriarchat spielte eine entscheidende Rolle für das politische Schachfeld der Region, denn unter anderem kontrollierte es die Verkehrswege zwischen dem Reich und der Adria. Sein Territorium war daher von reichen und bedrohlichen Nachbarn begehrt: im Westen von der Republik Venedig und im Osten von den Grafen von Gorizia (deutsch: Görz). Noch angespannter war die Situation dadurch, dass der Patriarch von Aquileia seine Autorität auf mehreren Ebenen ausübte: Er war der Metropolit einer Kirchenprovinz, die sechzehn Suffragandiözesen umfasste, und zugleich ein Feudalherr und damit Vasall des Kaisers.

In diesem Amt, bei dem der selige Bertrand gleichzeitig geistliche, politische und militärische Funktionen wahrnahm, stellte er seine große Standhaftigkeit unter Beweis. Er brachte der Region den Frieden wieder zurück und sicherte die Grenzen. Dennoch führten politische Spannungen dazu, dass er das Opfer einer Verschwörung wurde. Am 6. Juni 1350 befand sich der 90-jährige Patriarch gerade auf der Reise nach Udine, wohin er seinen Bischofssitz verlagert hatte, als er von des Grafen von Gorizia beauftragten Söldnern ermordet wurde. Sein Leichnam wurde im Dom von Udine bestattet. Sein Nachfolger Nikolaus von Luxemburg sprach Bertrand selig.

Themen & Autoren

Kirche