Tagesheiliger: 28. Juli: Der heilige Papst Viktor I.

Von Claudia Kock
Foto: KNA | Papst Viktor I.
Foto: KNA | Papst Viktor I.

Am Ende des zweiten Jahrhunderts, von 189 bis 199, saß Viktor I. auf dem Stuhl Petri. Zwei Dinge unterschieden ihn von seinen Vorgängern: Er war – dem Liber Pontificalis zufolge – der erste Papst, der aus Afrika stammte, und er schrieb – wie Hieronymus berichtet – auf Latein statt auf Griechisch. Mit dem Pontifikat Viktors I. wurde Latein zur Kirchensprache.

Viktor war sehr darum bemüht, die Einheit und Universalität der Kirche zu fördern. Er legte das Osterdatum für die ganze Kirche verbindlich fest und bekämpfte energisch Irrlehren, die sich damals verbreiteten. Er stützte sich auf die Entscheidungen örtlicher Synoden, festigte jedoch gleichzeitig die Rolle des Bischofs von Rom als Oberhirte der Universalkirche.

Das Datum, an dem in den einzelnen Gemeinden das Osterfest gefeiert werden sollte, war bereits seit längerer Zeit Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen. Viktors Vorgänger Anicet hatte bereits einige Jahrzehnte vorher mit Bischof Polykarp von Smyrna, der eigens in dieser Frage nach Rom gereist war, darüber diskutiert, ohne dass es zu einer Einigung gekommen wäre.

In Kleinasien und Palästina stand beim Osterfest das Gedenken an das Letzte Abendmahl und die Passion Christi im Vordergrund. Seit den Zeiten der Apostel wurde Ostern dort daher immer nach dem jüdischen Kalender am 14. Nisan – dem Pessachfest – gefeiert, unabhängig vom Wochentag. In Rom und Alexandrien dagegen hatte es sich eingebürgert, das Osterfest auf einen Sonntag um Pessach herum zu verlegen, um die zentrale Bedeutung der Auferstehung Christi hervorzuheben.

Viktor ließ dazu in verschiedenen Städten Synoden abhalten, und die Bischöfe einigten sich in großer Mehrheit darauf, das Osterfest in der ganzen Kirche am Sonntag zu feiern. Einige kleinasiatische Gemeinden, die mit Verweis auf die Tradition der Apostel weiterhin auf dem 14. Nisan bestanden – die sogenannten „Quartodezimaner“ –, ließ Viktor exkommunizieren. Auch der Protest des heiligen Irenäus von Lyon gegen diese Maßnahme konnte Viktor nicht von seiner Entscheidung abbringen: Die Einheit der Kirche war ihm wichtiger als die Wahrung von Partikularbräuchen. Außerdem war es unannehmbar, dass in der Kirche einige bereits das Osterfest feierten, während andere noch fasteten.

Auch auf dogmatischer Ebene förderte Viktor die Einheit und ging entschlossen gegen Irrlehren vor, etwa gegen den aufkommenden „monarchianischen Adoptionismus“, demzufolge Christus bei seiner Geburt ein gewöhnlicher Mensch war und erst bei der Taufe im Jordan von Gott „adoptiert“ wurde. Theodotus von Byzanz, ein früher Vertreter dieser Richtung, die in der christologischen Auseinandersetzung bis zur endgültigen Festlegung des Glaubensbekenntnisses auf dem Ersten Konzil von Nizäa (325) immer wieder Anhänger fand, wurde von Viktor exkommuniziert.

Nicht nur die Liturgie und die Lehre lagen dem heiligen Viktor jedoch am Herzen, sondern er kümmerte sich auch um die Belange der verfolgten Christen. So wusste er um das Schicksal römischer Christen, die vom Kaiser nach Sardinien verbannt worden waren, um dort in einem Bergwerk harte Zwangsarbeit zu leisten. Unter Viktors Presbytern befand sich ein ehemaliger Sklave des Kaiserhauses, der Hauslehrer einer gewissen Marcia gewesen war, jetzt die Konkubine des Kaisers Commodus. Mit Hilfe dieses Presbyters gelang es Viktor, den Kaiser zur Freilassung der gefangenen Christen zu bewegen. Unter ihnen war auch ein gewisser Calixtus, der später selbst Papst wurde. Ob Viktor den Märtyrertod starb, geht aus den Quellen nicht eindeutig hervor. Seine letzte Ruhestätte fand er in Rom nahe beim Petrusgrab.

Themen & Autoren

Kirche

Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann