Tagesheiliger: 27. Juli: Der heilige Papst Coelestin I.

Von Claudia Kock

Im August 430 starb der heilige Augustinus von Hippo, ein Jahr vor dem Konzil von Ephesos, das den pelagianischen Streit, in den dieser über Jahrzehnte eingebunden war, im Sinne der Gnadenlehre des großen Kirchenlehrers entschied. Dennoch war die Auseinandersetzung damit nicht beendet, denn vor allem in Gallien versuchten die sogenannten „Semipelagianer“ weiterhin, Augustinus zu diskreditieren. Gegen diese Stimmen wandte sich der damalige Papst Coelestin I. durch ein Schreiben an die Bischöfe in Gallien. Er verteidigte darin den Kirchenvater, den er seit 390 persönlich kannte und mit dem er im Briefwechsel stand, und bezeichnete ihn als „einen Mann heiligen Andenkens“, der „um seines Lebenswandels und seiner Verdienste willen stets in unserer Gemeinschaft“ war und „auch von meinen Vorgängern stets zu den besten Lehrmeistern gezählt wurde“. Der heilige Coelestin I., dessen Gedenktag die Kirche am 27. Juli feiert, saß von 422 bis 432 auf dem Stuhl Petri.

Coelestin stammte aus der süditalienischen Region Kampanien. Er soll mit Kaiser Valentinian III. verwandt gewesen sein. Einigen Quellen zufolge war er kurzfristig in Mailand unter dem heiligen Ambrosius tätig, bevor er nach Rom kam, um als Diakon in der Kirche zu dienen. Papst Innozenz I. schätzte ihn als Berater in kirchenpolitischen Fragen. Auch in Rom verbreitete sich damals die pelagianische Lehre, und es kam nach Innozenz' Tod vorübergehend zu einem Schisma, als ein Teil des Klerus einen Pelagianer mit Namen Eulalius als Gegenpapst zum rechtmäßig gewählten Bonifatius I. ernannte. Als Bonifatius wenig später starb, wurde Coelestin sein Nachfolger und griff sofort energisch durch, um die dogmatische Einheit und die Kirchendisziplin unter dem römischen Klerus wiederherzustellen. Coelestins Bestrebungen, die zentrale Autorität des Papstes auch über Rom und Italien hinaus in der Gesamtkirche zu stärken, lassen seine starke Persönlichkeit erkennen. Trotz der Widerstände, die ihm der nordafrikanische Episkopat dabei entgegenbrachte – dieser mahnte Coelestin, sich nicht zu sehr in Fragen einzumischen, die Angelegenheit der lokalen Bischöfe seien –, ließ er bei Bischofswahlen in Ägypten, Gallien und Apulien seine Stimme hören. Darüber hinaus sandte er Missionare nach England und Irland.

Auf dem Konzil von Ephesos, das 431 einberufen wurde, stützte Coelestin den Patriarchen Kyrill von Alexandria gegen Nestorios, den Patriarchen von Konstantinopel, der sich gegen die im Kirchenvolk verbreitete Verehrung Marias als Gottesmutter stark machte: Jesus habe – so Nestorios – zwei Naturen, eine göttliche und eine menschliche, und Maria sei nur die Mutter des Menschen Jesus, während die göttliche Natur von seinem Vater komme. Coelestin selbst war auf dem Konzil nicht anwesend, hatte jedoch ein Schreiben gesandt, mit dem er Kyrill beauftragte, Nestorios abzusetzen, was auch geschah. In einem weiteren Schreiben an die Konzilsväter und an Kaiser Theodosios II., der das Konzil einberufen hatte, brachte Coelestin seine Freude über die Entscheidung zum Ausdruck und darüber, dass die Wahrheit über den Irrtum gesiegt habe. In Rom ließ Coelestin zur Ehre der Gottesmutter daraufhin wahrscheinlich – die Studien lassen in diesem Punkt keine endgültige Sicherheit zu – den Grundstein für die große Basilika Santa Maria Maggiore legen, die unter seinem Nachfolger Sixtus III. vollendet wurde.

Auch die Basilika Santa Sabina auf dem Aventin wurde unter Coelestin I. errichtet. Coelestin wurde 432 in der Priscilla-Katakombe beigesetzt. Sein Nachfolger Pasqualis II. ließ seine Gebeine im neunten Jahrhundert in die Kirche Santa Prassede in unmittelbarer Nähe von Santa Maria Maggiore überführen, wo der heilige Coelestin bis heute ruht.

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