Tagesheiliger: 23. November: Der heilige Clemens von Rom

Von Claudia Kock
San Clemente
Foto: KNA | Darstellung des heiligen Papstes Clemens in San Clemente in Rom.

Von Anfang an haben die Christen es als ihre Aufgabe verstanden, für die Regierenden zu beten. Der Apostel Paulus schrieb: „Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können“ (1 Timotheus 2, 1–2). Der Katechismus der Katholischen Kirche enthält das älteste Gebet der Kirche für die Träger der staatlichen Autorität: „Gib ihnen, Herr, Gesundheit, Frieden, Eintracht, Beständigkeit, damit sie die von dir ihnen gegebene Herrschaft untadelig ausüben! Denn du, himmlischer Herr, König der Äonen, gibst den Menschenkindern Herrlichkeit und Ehre und Gewalt über das, was auf Erden ist; du, Herr, lenke ihren Willen nach dem, was gut und wohlgefällig ist vor dir, damit sie in Frieden und Milde frommen Sinnes die von dir ihnen gegebene Gewalt ausüben und so deiner Huld teilhaftig werden!“ Der Autor dieses Gebets ist der heilige Papst Clemens von Rom, der um das Jahr 100 starb und dessen Gedenktag die Kirche am 23. November feiert.

Die wichtigste und zuverlässigste Quelle über den heiligen Clemens ist der Kirchenvater Irenäus von Lyon aus dem zweiten Jahrhundert. Er schreibt, dass Clemens der dritte Nachfolger des Apostels Petrus auf dem römischen Bischofsstuhl war. Er habe noch „die Apostel gesehen“, sei „mit ihnen zusammengetroffen“ und „hatte noch ihre Predigt in den Ohren und ihre Überlieferung vor Augen“. Außerdem berichtet Irenäus von einem Brief, den Clemens an die Christen in Korinth sandte, um diese zu Frieden und Versöhnung zu ermahnen und ihren Glauben an die von den Aposteln empfangene Lehre zu bestärken. Der Text dieses Briefes ist bis heute erhalten; die älteste Handschrift stammt aus dem fünften Jahrhundert. Clemens schloss ihn mit einem großen Gebet ab, zu dem auch das eben erwähnte Gebet für die Regierenden gehört.

Dass der Clemensbrief in der Alten Kirche hohes Ansehen genoss, geht auch aus der Kirchengeschichte des Eusebius von Caesarea aus dem vierten Jahrhundert hervor, der schreibt: „Ein umfangreicher und wunderbarer Brief des Clemens ist uns überliefert, der als echt anerkannt ist. Er hatte ihn im Namen der Kirche von Rom an die Kirche von Korinth geschrieben. Wir wissen, dass er seit langer Zeit und so auch in unseren Tagen noch während der Versammlungen der Gläubigen öffentlich gelesen wird.“ Unter Clemens? Namen kursierten noch weitere Schriften, die jedoch nicht von ihm stammen; man bezeichnet sie zusammenfassend als „Pseudoclementinen“.

Eusebius schreibt auch, dass Clemens gebürtiger Römer war und „im zwölften Jahr des Kaisers Domitian“, also 92 nach Christus, das Petrusamt übernahm. Domitian ließ den Konsul Titus Flavius Clemens hinrichten, den Ehemann der Domitilla, einer christlichen Märtyrerin, die aus dem Kaiserhaus stammte. In den „Pseudoclementinen“ wird ein Zusammenhang zwischen dem Konsul und Papst Clemens hergestellt; historisch lässt sich dieser jedoch nicht nachweisen. Auch die Identifikation des Wohnhauses von Papst Clemens mit einem antiken Bau, der unter der mittelalterlichen Kirche „San Clemente“ in Rom ausgegraben wurde, ist zweifelhaft, da die ältesten archäologischen Funde aus dem dritten Jahrhundert n. Chr. stammen. Eine literarische Tradition, die diesen Ort mit Papst Clemens verbindet, lässt sich bis zum heiligen Hieronymus im fünften Jahrhundert zurückverfolgen.

Unter „San Clemente“ finden sich auch Fresken, die auf die Legende verweisen, dass Papst Clemens auf der Krim als Märtyrer gestorben sei: Man habe ihn mit einem Anker um den Hals im Schwarzen Meer versenkt. Am Meeresboden habe sich durch ein Wunder ein Tempel gebildet, der die Gebeine des Clemens aufnahm. Die Slawenapostel Kyrill und Methodius hätten die Reliquien im neunten Jahrhundert am Schwarzen Meer wiedergefunden und nach Rom zurückgebracht.

Auch wenn die Person des heiligen Clemens von Rom historisch schwer greifbar ist, so hat sein Brief an die Korinther bleibende Bedeutung, wie auch Papst Benedikt XVI. in einer Generalaudienz betonte, die er diesem frühen Vorgänger widmete. In der Kirche erfolge alles „geordnet vom Willen Gottes“, so Clemens von Rom, und Benedikt XVI. kommentiert: „Die Kirche ist in der Tat nicht ein Ort von Verwirrung und Anarchie, wo einer in jedem Augenblick tun kann, was er will: Jeder übt in diesem Organismus, der mit einer klar gegliederten Struktur ausgestattet ist, entsprechend der empfangenen Berufung seinen Dienst aus.“ Der heilige Clemens mache deutlich, „dass die Kirche eine sakramentale und keine politische Struktur hat. Das Wirken Gottes, das uns in der Liturgie entgegenkommt, geht unseren Entscheidungen und unseren Ideen voraus. Die Kirche ist vor allem Gabe Gottes und nicht unser Geschöpf, und deshalb gewährleistet diese sakramentale Struktur nicht nur die gemeinsame Ordnung, sondern auch diesen Vorrang der Gabe Gottes, derer wir alle bedürfen.“

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19.09.2021, 17 Uhr
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