Tagesheiliger: 19. September: Heiliger Alfons von Orozco

Der heilige Alfons von Orozco wurde am 17. Oktober 1500 in Oropesa in der Nähe von Toledo in Spanien geboren. Er besuchte die Schule im nahe gelegenen Ort Talavera de la Reina, und drei Jahre lang sang er als Chorknabe in der Kathedrale von Toledo, wo er seine Vorliebe und seine Begabung für die Musik weiterentwickelte. Mit 14 Jahren schickten ihn seine Eltern an die Universität von Salamanca, an der bereits einer seiner älteren Brüder studierte. Angezogen von der frommen Atmosphäre des dortigen Augustinerklosters wollte auch Alfons dem Orden der Augustinereremiten angehören, und so trat er diesem im Jahr 1522 bei. Schon bald nach seiner Priesterweihe, die er 1527 empfing, beeindruckte Alfons seine Oberen durch seine tiefe Spiritualität und sein augenfälliges Predigttalent. Der junge Mann liebte zudem die Einsamkeit und verbrachte die meiste Zeit im Gebet. Seine streng asketische Lebensweise zeigte sich unter anderem darin, dass er nur eine kleine Mahlzeit am Tag zu sich nahm und sich jede Nacht lediglich drei Stunden Schlaf erlaubte. Sich selbst gegenüber hart und unnachgiebig, begegnete er seinem Nächsten indes stets freundlich und mit besonderer Milde.

1549 entschloss sich Alfons, sein Leben der Mission in Mexiko zu widmen. Doch in der Neuen Welt sollte er nie ankommen. Bei seiner Überfahrt erreichte er nur die Kanarischen Inseln, wo er sich wegen einer Krankheit, die ihn letztlich auch zur Rückreise auf das spanische Festland zwang, behandeln lassen musste. Nach seiner Rückkehr wurde Alfons 1554 zum Prior der Augustiner-Gemeinschaft in Valladolid ernannt. Die Stadt in Nordspanien war im 15. Jahrhundert Hauptstadt des Königreichs Kastilien. Hier wurde König Philipp II. auf den Augustiner aufmerksam und berief ihn zu seinem Hofprediger, den er 1561 – als er mit seinem königlichen Gefolge nach Madrid in den Escorial umzog – als seinen Kaplan mitnahm. Dessen Vorbild einer klösterlichen und entbehrungsreichen Lebensweise stand jedoch in einem auffälligen Kontrast zum strahlenden Ruhm seiner Stellung und Funktion bei Hof. Denn der bescheidene Ordensmann machte sich ja nichts aus Rang und Titeln. Seine Frömmigkeit und Tugend fand Beachtung bei den Mitgliedern der königlichen Familie und bei vielen spanischen Adligen. So wurde Alfons zu ihrem Berater und übte einen erheblichen spirituellen Einfluss auf ihr religiöses Leben aus. 35 Jahre lang strömten sie zu seinen Predigten, standen Schlange vor seinem Beichtstuhl und lasen seine Schriften. Denn der heilige Alfons von Orozco schrieb auch zahlreiche Bücher über das Gebet und das christliche Leben. Mit Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz gilt er als einer der bedeutendsten spanischen Mystiker des 16. Jahrhunderts. Alfons verfasste eine Geschichte über den Augustinerorden und dessen Spiritualität in der Hoffnung, neue Berufungen zu gewinnen. Darüber hinaus gründete er Augustinerklöster sowie neue Frauenkonvente.

Als Alfons von Orozco am 19. September 1591 kurz vor der Vollendung seines 91. Lebensjahres starb, folgten viele Gläubige seinem Sarg und trauerten um den Verlust eines Heiligen. Papst Leo XIII. sprach Alfons am 15. Januar 1882 selig, Papst Johannes Paul II. kanonisierte ihn am 19. Mai 2002.

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