Tagesheiliger: 14. September: Gabriel Dufresse

Von Claudia Kock

Am Fest Kreuzerhöhung des Jahres 1815 wurde der Missionsbischof und Apostolische Vikar der chinesischen Provinz Sichuan, Gabriel-Taurin Dufresse, enthauptet. Er gehört zu den 120 Märtyrern in China, die Johannes Papst Paul II. am 1. Oktober 2000 auf dem Petersplatz in Rom heiliggesprochen hat.

Gabriel-Taurin Dufresse wurde am 8. Dezember 1750 in dem kleinen Dorf Lezoux im französischen Département Puy-de-Dôme geboren. Nach seiner Gymnasialzeit besuchte er das Priesterseminar in Paris, wo er 1774 zum Diakon geweiht wurde. Anschließend trat er in die Pariser Mission ein, eine Gesellschaft apostolischen Lebens, die sich der Missionierung Asiens widmet. Dort wurde er ein Jahr später zum Priester geweiht, um am 4. Dezember 1775 als Missionar nach China aufzubrechen.

Die katholische Mission in China fand damals unter sehr schwierigen Bedingungen statt. Schon 1722 hatte der regierende Kaiser Yongzheng die christlichen Missionare ausgewiesen. Als Papst Benedikt XIV. zwanzig Jahre später die Ausübung traditioneller chinesischer Riten für Katholiken untersagte, wurde die gesamte Missionstätigkeit in China verboten. 1773 hob Papst Clemens XIV. den Jesuitenorden auf, der in der Chinamission bis dahin eine zentrale Rolle gespielt hatte.

Über Macau, das einem portugiesischen Gouverneur unterstellt war, reiste Pater Dufresse als Chinese verkleidet in das Landesinnere und erreichte drei Monate später die Provinz Sichuan, wo er mit dem Apostolischen Vikar, Bischof Francois Pottier, zusammentraf. Dieser sandte den jungen Missionar in den Norden der Provinz. 1784 wurde Pater Dufresse dort verhaftet, konnte seinen Verfolgern jedoch entkommen und hielt sich zunächst im Haus chinesischer Katholiken versteckt. Um diese nicht in Schwierigkeiten zu bringen, brach er von hier aus verkleidet auf und schlug sich bis in die Provinzhauptstadt Chengdu durch, wo er erneut verhaftet und zusammen mit drei weiteren Missionaren nach Peking verschleppt wurde. Hier wurden sie im Gefängnis qualvollen Verhören unterzogen. Einer der Soldaten der kaiserlichen Armee, die die Gefangenen nach Peking begleiteten, war von deren Glauben und Haltung so beeindruckt, dass er sich taufen und einige Jahre später zum Priester weihen ließ. Augustinus Zhao Dong, so sein christlicher Name, starb schließlich im Gefängnis. Er ist bei den chinesischen Katholiken bis heute hochverehrt und Namensgeber der Gruppe der 120 Märtyrer.

Die Missionare wurden schließlich freigelassen mit der Auflage, nicht nach Sichuan zurückzukehren. Pater Dufresse ging daraufhin zunächst wieder nach Macau, verbrachte dann einige Jahre auf den Philippinen und kehrte im Januar 1789 heimlich wieder nach Sichuan zurück, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1815 blieb und eine umfassende pastorale Tätigkeit entfaltete. 1793 empfing er die Bischofsweihe, 1801 wurde er zum Apostolischen Vikar von Sichuan ernannt. Die katholische Gemeinde erlebte unter ihm eine große Blütezeit. Zwischen 1 500 und 2 000 Chinesen wurden jährlich getauft, auch die einheimischen Priesterberufungen förderte Bischof Dufresse. Die Beschlüsse einer Synode, die er 1803 einberief, wurden in Rom sehr positiv aufgenommen und zum Vorbild für die Missionsgebiete in ganz China gemacht. Trotz aller Erfolge blieb der Bischof jedoch stets bescheiden und demütig. „Je mehr man sich selbst kennenlernt“, schrieb er, „desto mehr entfernt man sich von jeglichem Stolz.“

Ab 1805 wurden in Sichuan erneut gegen die Christen gerichtete Dekrete erlassen. Bischof Dufresse wurde verhaftet und nach Chengdu ins Gefängnis gebracht, wo er am 14. September 1815 enthauptet wurde. Die sterblichen Überreste des heiligen Missionsbischofs ruhen heute in der Krypta des Mutterhauses der Pariser Mission.

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