Tagesheiliger: 1. August: Der heilige Aethelwold von Winchester

Katrin Krips-Schmidt
Foto: IN | Der heilige Aethelwold; Buchmalerei im Winchesterstil.
Foto: IN | Der heilige Aethelwold; Buchmalerei im Winchesterstil.

Der tatkräftige heilige Bischof Aethelwold spielte gemeinsam mit dem heiligen Dunstan von Canterbury und dem heilige Oswald von York eine bedeutende Rolle bei der Einführung der Benediktinerregel in den klösterlichen Gemeinschaften im England des frühen Mittelalters und bei der daraus folgenden Entfaltung des monastischen und kirchlichen Lebens allgemein.

Aethelwold entstammte einer adligen Familie und wurde zwischen 904 und 909 in Winchester geboren. Seit Ende der 920er Jahre diente er zunächst am Hof des Königs Aethelstan, einem Enkel Alfreds des Großen. Diese Tätigkeit gab er jedoch auf, um seiner priesterlichen Berufung zu folgen. Er wurde am selben Tag zum Priester geweiht wie sein Freund Dunstan. Als dieser im Jahr 943 von König Edmund I. zum Abt des Klosters in Glastonbury ernannt wurde und dort die benediktinische Observanz einführte, trat Aethelwold der Gemeinschaft bei. Doch ganz zufrieden war Aethelwold mit der reformierten Abtei in Glastonbury noch nicht. Und so wollte er gerne aufs Festland reisen, um dort anhand der von Cluny ausgegangenen Neugestaltung sein Wissen über das klösterliche Leben zu erweitern. Doch der König verweigerte die Reiseerlaubnis und ernannte ihn stattdessen zum Abt der ehemaligen Abtei von Abingdon, in der nun Weltpriester wohnten. Aethelwold ging seine Aufgabe energisch an, denn die Priester, die hier lebten, folgten keinerlei Ordensregel und manche von ihnen waren verheiratet. Aethelwold hielt den Weltklerus für „unrein“ und damit für ungeeignet für den Dienst am Altar. Daher ersetzte er die Priester durch Mönche. Unter seiner Leitung erlebte die Abtei eine neue Blüte. Sie entwickelte sich so zu einer Stätte der Gelehrsamkeit, an der auch Musik und Dichtkunst gepflegt wurden und in dessen Skriptorium illuminierte Handschriften entstanden. Aethelwold sandte einen ehemaligen Mitbruder aus Glastonbury ins französische Fleury-sur-Loire, damit er dort die neue Benediktiner-Regel studierte.

Einer seiner Schüler in Abingdon war der künftige König, der heilige Edgar der Friedfertige (Gedenktag: 8. Juli), der Sohn von König Edmund. Nachdem Prinz Edgar den Thron bestiegen hatte, ernannte er 963 seinen ehemaligen Lehrer zum Bischof von Winchester. In dieser Eigenschaft machte sich Aethelwold zum Verfechter weitreichender monastischer Reformbestrebungen und zum wichtigsten Verteidiger der benediktinischen Bewegung im England des späten zehnten Jahrhunderts. 964 ließ er sogar die Kleriker aus dem Alten und dem Neuen Münster – Old Minster und New Minster – von Winchester mit Zustimmung des Königs und der Unterstützung einer bewaffneten Armee vertreiben, um sie durch Mönche aus Abingdon zu ersetzen – der König hatte für diese Maßnahme zuvor die Erlaubnis des Papstes beantragt und auch erhalten. 21 Jahre lang wirkte Aethelwold als Reformbischof, errichtete Abteien und Priorate im ganzen Land so von neuem, diesmal unter der neuen Benediktinerregel, sanierte und renovierte zudem das Alte Münster und machte es damit zu einer der größten Kirchen in Europa (Winchester war vom neunten bis zum elften Jahrhundert die erste Hauptstadt Englands). Das Skriptorium des Old Minster wurde zu Aethelwolds Zeit weltweit berühmt für seine herrlichen Buchmalereien im „Winchester-Stil“.

Der asketische Mönch, der sich nach dem Beten der Matutin (gegen 3 Uhr) nicht mehr schlafen legte, war selbst auch künstlerisch und handwerklich begabt. In Glastonbury war er als Koch tätig, in Abingdon arbeitete er als Bauarbeiter, bis er sich beim Sturz von einem Gerüst die Rippen brach, und in Winchester baute er die mächtigste Orgel seiner Zeit in England.

Der dynamische Bischof überlebte mindestens einen Giftanschlag und wurde etwa 75 Jahre alt. Am Ende seines Lebens litt er an Magen- und Beinbeschwerden. Er starb am 1. August 984.

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