Tagesheilige: 24. Dezember: Die heilige Tarsilla von Rom

Von Sr. Joseph-Marie Dunning

Die beiden Heiligen Tarsilla und Aemiliana, die Mitte des sechsten Jahrhunderts gestorben sind, waren weder Märtyrerinnen noch Ordensschwestern, sondern sie lebten in der Welt. Als alleinstehende Frauen weihten sie ihr Leben ganz Gott und dem Gebet. Sie waren Schwestern und entstammten einer reich gesegneten Familie: Einer ihre jüngsten Vorfahren war der heilige Papst Felix III. und ihr Neffe sollte der bekannte heilige Papst Gregor der Große werden.

Tarsilla war das älteste Mädchen der Familie. Auf sie folgten Aemiliana und schließlich eine dritte Schwester namens Gordiana. Ihr Bruder, der Senator Gordianus, war der Vater Gregors des Großen.

Die drei Schwestern lebten im Haus ihres Vater auf dem Clivus Scauri in Rom. Sie verbrachten ihre Zeit im Gebet, mit Bußübungen, geistlichen Gesprächen und frommen Reden, und sie ermutigten einander auf dem Weg zur christlichen Vollkommenheit.

Die jüngste Schwester, Gordiana, war dem Leben in Stille und Gebet nicht so zugeneigt wie die anderen beiden. Sie erkannte schließlich, dass Gott sie zu einer anderen Art von Leben berufen hatte, so dass sie sich im Frieden von ihren Schwestern trennte und heiratete.

Tarsilla und Aemiliana machten dank der Gnade Gottes und dadurch, dass sie einander ein gutes Beispiel gaben, große Fortschritte in der Ausübung der Tugenden. Gregor der Große sollte schreiben, dass seine heiligen Tanten „durch die Tugend des beständigen Gebetes, durch Lebensernst und ganz besondere Enthaltsamkeit“ zum Gipfel der Vollkommenheit gelangten.

„Tarsilla erschien ihrer Schwester Aemiliana und lud sie ein, Epiphanie mit ihr im Himmel zu feiern“

Auf dem Höhepunkt ihrer Heiligkeit erschien der heiligen Tarsilla ihr heiliger Vorfahre Papst Felix III. in einer Vision. Er zeigte ihr „ihre Wohnung in der ewigen Herrlichkeit“ und sagte: „Komm, denn ich will dich in dieser leuchtenden Wohnung empfangen!“ Kurz danach lag sie mit einer Krankheit darnieder, die sie in dieses himmlische Paradies führen sollte. Der heilige Gregor der Große beschreibt die Szene: „(Es) umstanden auch in ihrer Todesstunde viele Männer und Frauen das Bett. Da richtete sie plötzlich den Blick nach oben, sah Jesus kommen und rief laut und befehlend den Umstehenden zu: ,Geht weg! Geht weg! Jesus kommt!‘ Und unverwandt ihn anschauend, schied die heilige Seele vom Leib.“

Diejenigen, die an ihrem Sterbebett standen, konnten sich am Wohlgeruch erfreuen: „Seine Lieblichkeit zeigte allen, dass der Urheber der Lieblichkeit hier zugegen gewesen“, sollte Gregor der Große schreiben.

Als ihr Leib gewaschen und für die Bestattung vorbereitet wurde, stellte man fest, dass die Haut an ihren Ellbogen und an ihren Knien nach so vielen Jahren, die sie kniend in Gebet und Buße vor Gott verbracht hatte, hart wie Kamelhaut geworden war.

Sie starb am Heiligen Abend um das Jahr 550. Einige Tage später erschien Tarsilla ihrer Schwester Aemiliana und lud sie ein, das Fest der Epiphanie mit ihr im Himmel zu feiern. Aemiliana starb nur einige Tage später am Vorabend des Hochfestes der Erscheinung des Herrn. Der 5. Januar wurde ihr liturgischer Gedenktag.

Gregor der Große hatte größte Hochachtung vor seinen geliebten Tanten. In vielen Predigten sprach er über sie – besonders über seine Tante Tarsilla –, und den Bericht über Tarsillas seligen Tod hat er in seinen „Dialogen“ niedergeschrieben.

Übersetzung aus dem Englischen

von Claudia Reimüller

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