Tagesheilige: 23. August: Die heilige Rosa von Lima

Von Katrin Krips-Schmidt

Warum die am 20. April 1586 in Lima in Peru geborene und auf den Namen Isabella Flores de Oliva getaufte Heilige des heutigen Tages schon als Kind nur „Rosa“ gerufen wurde, weiß eine Legende: Die Mutter der heiligen Rosa von Lima sah bei der Taufe ihrer Tochter eine Rose über deren Haupt schweben und nannte sie von da an nur noch Rosa. In einer anderen Überlieferung heißt es, dass eine Hausangestellte, eine Indianerin, das Kind so schön wie eine Rose fand.

Schon mit vier Jahren konnte die Kleine lesen und entdeckte die Biografie der heiligen Katharina von Siena, deren Vorbild sie dazu inspirierte, sich bereits in jungen Jahren Gott zu weihen. Dem Wunsch der Eltern, ihre schöne Tochter zu verheiraten, kam Rosa nicht nach. Auch wenn sie zunächst vorhatte, Ordensfrau zu werden, erkannte sie doch, dass es nicht ihre Berufung war, in ein Kloster zu gehen, sondern wie ihr Vorbild, die heilige Katharina von Siena, Dominikaner-Terziarin zu werden. So trat sie 1606 mit 20 Jahren in den Dritten Orden des heiligen Dominikus ein, wo sie den Namen Rosa a Santa Maria annahm. Mit der Hilfe einer ihrer Brüder (Rosa hatte neun Geschwister) errichtete sie sich im Garten hinter dem Haus der Familie eine kleine Hütte, in der sie wie in einer Einsiedelei lebte. Um ihre Familie finanziell zu unterstützen, fing sie an zu sticken und zog selbst Blumen und Früchte im Garten, die sie auf dem Markt von Lima verkaufte. Deshalb wurde sie zur Schutzheiligen der Gärtner und Blumenhändler.

Schon als junges Mädchen nahm Rosa strenge Übungen der Buße und der Askese auf sich, mit denen sie sich Christus in seiner Passion anschließen wollte. Dabei schlief sie nur zwei Stunden täglich, um mehr Zeit für das Gebet zu haben. Ihre Schlafstatt waren harte Holzbohlen, deren Unbequemlichkeit sie durch spitze Scherben von Geschirr und Dachziegeln, die sie in die Zwischenräume der Bretter steckte, noch steigerte. Zudem trug sie eine schmiedeeiserne Dornenkrone auf dem Kopf, nahm kaum Nahrung zu sich und geißelte sich. Ihre Beichtväter mussten gegen diese allzu starken Selbstkasteiungen einschreiten, deren Leiden Rosa stets für die armen Seelen im Fegefeuer und für die Bekehrung aller Sünder aufopferte. Sie sagte oft: „Wenn die Menschen wüssten, was es bedeutet, im Stand der Gnade zu leben, dann würden sie vor keinem Leiden zurückschrecken und gerne jegliche Pein erleiden, da die Gnade Frucht der Geduld ist.“

Doch Rosa gab sich nicht nur dem Gebet hin, sie stellte sich auch in den Dienst der Indios, der verlassenen Kinder, der alten und kranken Menschen. 1614 zog Rosa in das Haus der Familie von Don Gonzalo de Maza ein. Der Finanzverwalter des spanischen Vizekönigs für Südamerika unterstützte Rosa bei der Gründung des ersten kontemplativen Klosters Südamerikas, des „Klosters der heiligen Katharina von Siena“.

„Die erste Blüte der Heiligkeit in Südamerika“, wie die heilige Rosa von Lima im früheren Brevier genannt wurde, starb am 24. August 1617 in Lima im Alter von 31 Jahren. Die mit zahlreichen mystischen Gnaden begabte Heilige hatte ihren Tod vorhergesagt. Ihre Beisetzung musste mehrmals verschoben werden, da zu viele Menschen die im Ruf der Heiligkeit Verstorbene noch einmal sehen wollten. An ihrem Grab sollen sich zahlreiche Wunder ereignet haben.

1671 sprach Papst Clemens X. Rosa von Lima heilig. Damit wurde sie zur ersten Heiligen Amerikas. Sie ist die Schutzpatronin von Lima, Peru, Südamerika, Westindien und der Philippinen und wird von den Gläubigen bei Verletzungen, Entbindungen und Familienstreitigkeiten angerufen.

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