Tagesheilige: 16. Juli: Die heilige Maria Magdalena Postel

Von Katrin Krips-Schmidt
Foto: IN | Die heilige Maria Magdalena Postel.
Foto: IN | Die heilige Maria Magdalena Postel.

Die Biografie der heiligen Maria Magdalena Postel bietet Stoff für ein ganzes Heldenepos – so abenteuerlich verlief das von Standhaftigkeit, Tapferkeit, Aufopferung für Christus und ihrem Nächsten tief geprägte Leben der Ordensfrau, die während der Französischen Revolution Priester vor den Revolutionären versteckte und – angetrieben von einer unbändigen Sehnsucht nach einem Dienst an den Armen – zur Gründerin einer neuen Gemeinschaft wurde.

Die Tochter eines Seilers erblickte am 28. November 1756 in einer frommen Familie in dem kleinen normannischen Fischerdorf Barfleur das Licht der Welt. Nach ihrer Schulausbildung bei den Benediktinerinnen von Valognes kehrte sie nach Barfleur zurück, wo sie mit achtzehn Jahren eine kleine Schule mit einem Internat für Mädchen aus armen Milieus eröffnete. Sie war bekannt für ihre behutsamen Erziehungsmethoden, die sich von dem französischen Reformpädagogen Jean Baptiste de La Salle (1651–1719) inspirieren ließen. 1789 brach die Revolution aus – mit den bekannten Folgen für die Kirche: Die Revolutionsregierung verfolgte den christlichen Glauben in all seinen Formen und verlangte von Priestern und Ordensleuten, dass sie einen Eid auf die neue Verfassung ablegten, anderenfalls riskierten sie die Hinrichtung. In dieser Situation nahm Julie Postel die Verfolgten bei sich auf und führte den nun verbotenen Religionsunterricht unbeirrt weiter fort. Es gelang ihr, Geistliche mit Hilfe eines befreundeten Seemanns nach England zu schmuggeln.

Ungewöhnliche Zeiten erforderten von Julie ungewöhnliche Verhaltensweisen. Da die Priester das Altarssakrament nicht mehr zu den Gläubigen bringen konnten, autorisierten sie Julie zu dieser Aufgabe. Mit einer silbernen Pinzette reichte sie den Gläubigen in einer Feldscheune heimlich den Leib des Herrn: „Wie die ersten Christen waren wir ständig unter dem Beil des Henkers, und wie sie schöpften wir einen unbezwingbaren Mut aus dem häufigen Empfang der Eucharistie“, sagte sie später über diese Zeit. 1798 trat sie dem Dritten Orden des heiligen Franziskus bei. Nachdem sich der Sturm über Frankreich gelegt hatte, half Julie weiter tatkräftig mit beim Wiederaufbau des katholischen Glaubens in ihrer Heimat. Gemeinsam mit zwei weiteren Gefährtinnen rief sie 1807 die „Gemeinschaft der Armen Töchter von der Barmherzigkeit“ ins Leben, nachdem sie 1805 zur Leitung einer Schule mit 300 Kindern in die Hafenstadt Cherbourg berufen worden war.

In den folgenden Jahren hatte ihre junge Kongregation, in deren Regel Julie, die nun Mutter Maria Magdalena hieß, die drei Forderungen nach äußerster Armut, strenger Buße und täglicher Handarbeit fest verankert hatte, viele Rückschläge zu verkraften. Immer wieder mussten die Schwestern ihre Bleibe verlassen, bis sie schließlich in der verfallenen Ruine der Abtei Saint-Sauveur-le-Vicomte eine Unterkunft für die Errichtung ihres Mutterhauses fanden. Maria Magdalena Postel starb am 16. Juli 1846 im Alter von 89 Jahren in Saint-Saveur-le-Vicomte. Papst Pius X. sprach die tapfere Ordensfrau 1908 selig, 1925 wurde sie von Papst Pius XI. heiliggesprochen.

Die etwa 450 „Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel“ sind heute in Deutschland, in den Niederlanden, in Brasilien, Bolivien, Rumänien und Mosambik tätig, wo sie sich in Schulen, der Jugendarbeit, der Hospizbewegung, der Gesundheits- und Altenpflege und bei weiteren sozial-karitativen Tätigkeiten engagieren.

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