Symbol der Kirche

Weihejubiläumsfeier des Speyerer Doms. Von Michael Jacquemain
Foto: KNA | Kardinal Walter Kasper kam als päpstlicher Delegat in die Pfalz.
Foto: KNA | Kardinal Walter Kasper kam als päpstlicher Delegat in die Pfalz.

Speyer (DT/KNA) Kaiserwetter am Kaiserdom. Bei strahlendem Sonnenschein feierte Speyer am Sonntag sich selbst und das 950-jährige Weihejubiläum des romanischen Gotteshauses am Rhein. 18 Bischöfe waren in den Dom gekommen. Das ZDF übertrug die feierliche Messe live. Anschließend ging es vor die Tür, zum Domnapf. Die riesige Steinschale vor dem Hauptportal war mit Tausend Litern Pfälzer Weißwein gefüllt. Hunderte, die in dem Gotteshaus keinen Platz mehr gefunden hatten, warteten schon dort.

Andere hatten sich in einem großen Zelt neben dem Dom die Übertragung angeschaut. Dann rief der gastgebende Bischof Karl-Heinz Wiesemann bei strahlendem Sonnenschein die Bevölkerung auf, mit Leib und Seele zu feiern. Volk und Prominenz folgten dem Appell und prosteten sich mit „Domnapf Cuvee“ zu, kamen sich so nah wie fast nie in der Öffentlichkeit. Entspannte Volksfeststimmung. Wiesemanns Vorgänger Anton Schlembach und Friedrich Wetter wirkten ebenso gut gelaunt wie Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, und Jean-Claude Perisset, der Vatikanbotschafter in Deutschland. Bester Stimmung zeigten die Regierungschefs von Rheinland-Pfalz und dem Saarland, Kurt Beck (SPD) und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Schlange stehen zum Händeschütteln war beim stark abgeschirmten Altkanzler Helmut Kohl angesagt. Ihm liegt das romanische Gotteshaus sehr am Herzen. Neben dem Dombauverein hatte er 1999 die Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer ins Leben gerufen, die maßgeblich an der Aufrechterhaltung des Weltkulturerbes beteiligt ist. Die Messe leitete Walter Kasper. Papst Benedikt XVI. hatte den früheren Kurienkardinal zum Gesandten für die Festlichkeiten bestimmt. Das Kirchenoberhaupt hob in seinem Grußwort hervor, der Dom enthülle den Blick auf das himmlische Jerusalem. Über Jahrhunderte hinweg sei der Dom Ort feierlicher Zeremonien mit Kardinälen, Bischöfen und Fürsten gewesen und habe zugleich den einfachen Gläubigen geistliche Nahrung gegeben.

Kasper sagte in der Predigt, jedem, der den Dom betrete, schlage „ein Hauch des Ewigen, des Bleibenden und des Beständigen entgegen“. Der Dom sei Symbol einer Kirche, die „immer wieder durch Krisen hindurch musste, um dann immer wieder neu den Weg der Erneuerung zu gehen“. Wohl kaum ein Gotteshaus ist so eng mit der deutschen Geschichte verwoben wie der Speyerer Dom. Ohne die Salier, die im elften und zwölften Jahrhundert die Geschicke im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation bestimmten, wäre die nach ihrer endgültigen Fertigstellung größte Kirche des Abendlandes nie entstanden. Uraufgeführt wurde am Sonntag eine „Speyerer Festmesse“ für Chor, Bläser und Orgel. Den Auftrag hatte das Domkapitel dem Eichstätter Domkapellmeister Christian Matthias Heiß erteilt. Gleichzeitig mit der Messfeier begann eine Wallfahrtswoche, in der täglich bis zu zweitausend Pilger erwartet werden. Sie steht unter dem Leitwort „Gottes Tempel seid ihr“. Viele setzten das Motto symbolisch schon am Sonntag um. Sie trugen um den Hals das eigens produzierte Wallfahrtsabzeichen, ein bronzefarbenes Metallkreuz, das den Grundriss des Doms stilisiert.

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