Streiter für eine katholische Kirche mit klarem Profil

Prälat Camillo Perl, Sekretär der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“, feiert das Requiem für Pater Andreas Hönisch SJM – Bischof Küng: „Treu sein und treu bleiben“

Blindenmarkt (DT) Rauchendes Lagerfeuer, wilde Verfolgungsjagden, lebensgefährliche Schusswechsel: Von Karl Mays Roman-Helden Winnetou und Old Shatterhand konnten die meisten Jugendlichen früher nicht genug bekommen. Helden, die einen manchmal zusammen mit einer Taschenlampe unter die Bettdecke begleiteten, als das Licht bereits ausgeschaltet war. Kindheitserinnerungen, die sich bei vielen heute noch tief eingeprägt haben. Dass sich der berühmte Indianerhäuptling kurz vor seinem Tod noch zum Christentum bekehrte, gehört dabei sicher zu den weniger bekannten Facetten der Winnetou-Trilogie. Der protestantische Jugendbuchautor May ließ seinen Indianer sogar eine Gruppe von Siedlern darum bitten, ihm in seiner Todesstunde das Lied von der Königin des Himmels vorzusingen. Dort heißt es in der dritten Strophe: „Es will das Licht des Tages scheiden. Todesnacht bricht an. Die Seele will die Schwingen breiten. Ewigkeit fängt an. Ave Maria!“

Ein Marien-Hymnus begleitete ihn an seine letzte Ruhestätte

In Karl Mays Phantasie waren es europäische Siedler, die diesen Marienhymnus anstimmten. Am vergangenen Freitag im niederösterreichischen Blindenmarkt (Diözese St. Pölten) etwa tausend Pfadfinder, Priester, Ordensleute und Freunde des verstorbenen Ordensgründers Pater Andreas Hönisch SJM, die ihn mit diesem Gesang an seine letzte Ruhestätte begleiteten. Der Mitbegründer der Katholischen Pfadfinderschaft Europas (KPE) und Generalobere der Diener Jesu und Mariens (SJM) war in der Nacht auf den 25. Januar überraschend verstorben. Hönisch – selbst ein glühender Karl-May-Verehrer und Abenteurer – war es, der den vier Lied-Strophen neues Leben einhauchte. Als er vor dreizehn Jahren zusammen mit Pfadfinderinnen auf einer Island-Fahrt im Karmel von Reykjavik die Melodie eines polnischen Marienliedes hörte, nahm er diese und unterlegte sie dem Text. Nun erklang sie für ihn ein letztes Mal an seinem Grab.

Zuvor feierte Prälat Camillo Perl, Sekretär der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ in der barocken Wallfahrtskirche und Basilika am Sonntagberg südlich von Amstetten das Requiem für den Verstorbenen in der außerordentlichen Form. Dabei rief der ebenfalls anwesende Bischof von St. Pölten, Klaus Küng, die anwesende Trauergemeinde auf, den Schmerz über den Tod Hönischs und die Dankbarkeit für sein Wirken, in einen Vorsatz zu verwandeln:„Treu zu sein und treu zu bleiben“. So wie es der Verstorbene in den Augen vieler sein Leben lang gewesen ist. Auch wenn es Hönisch immer wieder „viele Mühen, viel Leid, das Kreuz gekostet hat“, wie Bischof Küng hervorhob, seinen Weg sei der verstorbene Generalobere stets mit „Mut, Glauben und Vertrauen“ gegangen. Und dieser führte an mehr als einer Stelle durch unwegsames Gelände.

Als Streiter für eine katholische Kirche mit klarem Profil, war er ein für Fernseh-Talkshows interessanter, aber eben auch unbequemer Geist. Denn er zögerte nicht, gesellschaftliche Krisenerscheinungen deutlich beim Namen zu nennen. Doch den verhältnismäßig kleinen Scharmützel auf der Mattscheibe und im Blätterwald gelang es nicht, ihn von seinem konsequent gegangenen Weg abzubringen. Vielmehr war es ein ordensinterner und innerkirchlicher Sturm, der ihm in den vergangenen Jahrzehnten entgegenblies und ihn bei seiner Arbeit behinderte. Der Spiritual des Ordens, Guido Becker, begründete in seiner Predigt während der Totenmesse diese Front gegen Hönisch so: Er bellte dann, „wenn die Hirten zu schlafen schienen“. Auch durch das Predigtverbot in zwei deutschen Diözesen hat sich der Verstorbene nicht von seinem Kurs abbringen lassen, und war dennoch gegenüber der kirchlichen Autorität stets gehorsam.

Dabei erscheint es im Rückblick als ein Wink des Schicksals, dass ihn gerade Kardinal Josef Ratzinger noch vor dem Ordensausschluss durch die Jesuiten in seiner Entscheidung bestärkte, das Amt des Bundeskuraten der KPE keinesfalls aufzugeben. Auch wenn eine durch den Orden aufgezeigte Alternative – Schiffsseelsorger der Cap Anamur – auf den Abenteurer Hönisch gewiss eine große Anziehungskraft ausübte, blieb er seinem Weg und somit den Pfadfindern treu.

Ein Zeichen gegen eine sich auflösende Kirchlichkeit

Ein klarer Blick auf die Tradition und die Kontinuität im Glaubensleben gehörten für Pater Andreas Hönisch stets zusammen. So ist es unter anderem eine Besonderheit seines 1988 gegründeten und seit 1994 päpstlich anerkannten Ordens der Diener Jesu und Mariens, die Liturgie der Kirche in der ordentlichen wie auch in der außerordentlichen Form zu feiern – je nach Seelsorgesituation. Als sich in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil Glaubenselemente wie das Rosenkranzgebet, die Beichte und die Anbetung vor dem Allerheiligsten praktisch immer mehr auflösten, schlug Hönisch Alarm. Er wollte durch seine Jugendarbeit ein Zeichen gegen die sich auflösende Kirchlichkeit in so manchem katholischen Verband setzen.

Dabei erwartete er von seinen Pfadfindern nichts anderes, als dass sie ein normales katholisches Leben führen. Martin Hafner, Mitglied der KPE-Bundesführung, würdigte den ehemaligen Bundeskuraten, indem er erklärte, dass in Pater Hönisch die folgenden Worte aus dem Pfadfindergebet, das Ignatius von Loyola zugeschrieben wird, lebendig wurden: „Ewiges Wort, eingeborener Sohn Gottes, lehre mich die wahre Großmut. Lehre mich dir dienen, wie du es verdienst. Geben, ohne zu zählen. Kämpfen, ohne der Wunden zu achten. Arbeiten, ohne Ruhe zu suchen. Mich hingeben, ohne Lohn zu erwarten. Mir genüge das frohe Wissen, deinen heiligen Willen erfüllt zu haben. Amen.“

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