Streit um Piusbrüder spitzt sich zu

Regens des Zaitzkofenener Seminars besteht auf unerlaubten Weihen Ende Juni

Fulda/Regensburg (DT/KNA) Der Streit zwischen den katholischen Bischöfen und der traditionalistischen Piusbruderschaft spitzt sich zu: Gegen den erklärten Willen der Bischöfe weihten die Piusbrüder am Sonntag in Fulda eine Kapelle. Zugleich erklärten sie, an den für den 27. Juni im Bistum Regensburg geplanten Priesterweihen festzuhalten. Mehrere Bischöfe kritisierten die Aktionen als unerlaubte Provokation, die die Einheit der Kirche gefährde. In Fulda weihte der Distriktobere der Priesterbruderschaft Pius X., Franz Schmidberger, die neue Kapelle. Dazu hatten sich gut 130 Menschen eingefunden, obwohl Ortsbischof Heinz Josef Algermissen allen Katholiken die Teilnahme untersagt hatte. Der Bischof selbst feierte zeitgleich nur wenige hundert Meter entfernt vor über 7 000 Gläubigen den zentralen Festgottesdienst zum Bonifatiusfest, dem Fuldaer Bistumsfest. Dabei kritisierte auch der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode in seiner Festpredigt die Aktion der Piusbrüder: Die Kirche werde sicher nicht zukunftsfähiger durch so eine provokative Weihe. Und weiter fragte Bode, ob das denn die Antwort sein könne auf die ausgebreiteten Arme des Papstes.

Ebenfalls am Sonntag forderte der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller im Bayerischen Rundfunk (BR) die vom Vatikan nicht anerkannte Piusbruderschaft auf, ihre für den 27. Juni angekündigten Priesterweihen in Zaitzkofen im Bistum Regensburg abzusagen. Müller appellierte an die Piusbrüder, den Konflikt so zu lösen, dass keine „Ärgernisse“ entstünden: „Sie haben nur Zukunft in der Kirche, gegen die Kirche wird es auch für diese Gemeinschaft keine Zukunft geben.“ Bereits im Frühjahr hatte sich Müller an den Vatikan gewandt und um eine schriftliche Anweisung geben, wie er mit dem Priesterseminar der Piusbruderschaft in Zaitzkofen verfahren solle. Er argumentierte, es könne im Bistum nur ein Priesterseminar geben. Gegenüber dem BR bestätigte der Bischof, dass bisher keine Antwort eingegangen sei. Er werde deshalb bei seinen monatlichen Besuchen im Vatikan als Mitglied der Glaubenskongregation auf eine Regelung in seinem Sinne drängen. Es müsse eine Entscheidung gefällt werden, die die Piusbruderschaft davor warne, gerade in diesem Augenblick die Weihen zu vollziehen.

Der Regens des Seminars, Pater Stefan Frey, unterstrich dagegen im Gespräch mit dem BR: „Die Weihen werden stattfinden – in Zaitzkofen.“

Durch die Aufhebung der Exkommunikation für die vier Bischöfe der Bruderschaft durch Papst Benedikt XVI. im Januar dieses Jahres sei ein „provisorischer rechtlicher Status“ eingetreten, der auch diese Weihen zulasse. Konkret geht es um drei Priesterweihen, die der spanische Bischof Alfonso de Galarreta spenden soll. Er gehört zu jenen vier Bischöfen, die Erzbischof Marcel Lefebvre 1988 gegen den Willen des Papstes geweiht hatte. Die damals festgestellte Exkommunikation hatte Benedikt XVI. vor vier Monaten aufgehoben. Die Bischöfe haben derzeit aber trotzdem keine Befugnis, ein Amt in der Kirche auszuüben. Laut katholischem Kirchenrecht sind ihnen auch Weihehandlungen nicht erlaubt, was allerdings aus den Reihen der Piusbrüder selbst immer wieder bestritten wird.

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