Spekulationen zurückgewiesen

Erstmals reist ein Südkoreanischer Kardinal in den verfeindeten Bruderstaat Nordkorea

Seoul (DT/KNA) Der südkoreanische Kardinal Andrew Yeom Soo-jung hat als erster Kardinal den verfeindeten Bruderstaat im Norden besucht. Laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap traf Yeom am Mittwoch in einen Industriepark der Grenzstadt Kaesong mit katholischen Arbeitern zusammen.

Eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul betonte, politische Gespräche seien ebenso wenig geplant wie ein Besuch des Kardinals in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. Das Ministerium wies Spekulationen zurück, die eintägige Visite solle der Vorbereitung eines Papstbesuches dienen. Franziskus will vom 14. bis 18. August an einem Asien-Treffen junger Katholiken in Seoul teilnehmen. Dabei will er 124 koreanische Märtyrer seligsprechen. Der 70-jährige Yeom steht seit 2012 an der Spitze des Erzbistums Seoul.

Seit Februar Mitglied im Senat des Papstes

Im Februar nahm Papst Franziskus den Kardinal in den Kreis der Kardinäle auf. Yeom ist zugleich Apostolischer Administrator für das nordkoreanische Bistum Pjöngjang. Den Angaben zufolge war unklar, ob Yeom in dem Industriepark eine Messe feiern konnte. Offiziell gewährt Nordkorea Religionsfreiheit; Regimekritiker und Überläufer in Südkorea sprechen jedoch von harten Repressionen gegen jegliche religiöse Aktivitäten. Die wenigen Kirchen des Landes würden nur für Gottesdienste mit ausländischen Besuchern geöffnet.

Laut südkoreanischen Statistiken lebten in den 1940er Jahren unter Nordkoreas neun Millionen Einwohnern rund 200 000 Protestanten und 57 000 Katholiken. Pjöngjang galt wegen seines christlichen Lebens als „Jerusalem des Ostens“. Zu den aktuellen Katholikenzahlen in Nordkorea macht der Vatikan keine Angaben.

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