Würzburg

Sonntagslesung: Zeit zur Umkehr

Die Arbeit im Weinberg des Herrn darf nicht das Schlusslicht unserer Prioritätenliste bilden. Sonst ist es zu spät.

Es ist fünf vor zwölf!“ Dieser Warnruf hat Hochkonjunktur in jeder Krise. Er meint: Die Zeit einer endgültigen, unwiderruflichen Entscheidung steht kurz bevor. Fünf vor zwölf haben wir in der Klimakrise, Wirtschaftsförderung, Flüchtlingspolitik – nur nicht im Glauben. Da bleibt uns, so nehmen wir an, alle Zeit der Welt.

Dabei spricht Christus im Gleichnis genau davon – die zwölfte und letzte Stunde ist angebrochen. Zeit zur Umkehr? Nein. Vielmehr hoffen wir, eine Zeitversicherung abschließen zu können, die uns noch eine Minute vor zwölf die Gelegenheit zur Umkehr garantiert. Eine bessere Kranken- und Altersversorgung, Hochleistungstechnik, Spitzenärzte. Aber das Gebet um eine gute Sterbestunde? Krankensalbung zur Stärkung? Beichten als Auseinandersetzung mit eigenen Fehlern? Nein, nicht jetzt, dazu bleibt uns doch alle Zeit der Welt.

Jesaja 55, 6–9
Philipper 1, 20–27
Matthäus 20, 1–16
Zu den Lesungen des 25. Sonntags im Jahreskreis (Lesejahr A)

Der Gutsherr sucht Arbeiter bis zuletzt. Er geht ihnen sogar hinterher, um ihnen Arbeit in seinem Weingarten anzubieten. Und er entlohnt sie großzügig. Ist das ein Grund undankbar zu sein für die, die schon lange die Hitze und die Last des Tages tragen? Nein. Denn sie erhalten ja den versprochenen Lohn. Doch Christus will an dieser Stelle nicht den Großmut Gottes erklären oder gar rechtfertigen. Vielmehr spricht er eine klare Mahnung und einen entscheidenden Hinweis für die Zukunft aus in den Worten des letzten Tagelöhners: „Niemand hat uns angeworben.“

Das ist ein Missionsauftrag ganz anderer Art. Christen tragen zwar den Glauben in die Welt hinaus. Aber Jesus wünscht sich noch mehr. Er gibt gleichzeitig auch die Anweisung, von sich aus neue Arbeiter für den Weinberg anzuwerben. Welche Gemeinde betet noch bewusst und regelmäßig um Priester- und Ordensnachwuchs? In welchem Pfarrverband herrscht ein geistliches Klima, das zur Mitarbeit in den Gremien oder kirchlichen Vereinigungen einlädt – vom Chor über den Kolpingverein bis zum Pfarrgemeinderat? Wo gibt es Unterstützung bei der Suche nach einem kirchlichen Beruf – von der Pfarrhaushälterin zur Kindergärtnerin, vom Altenpfleger bis zum pastoralen Dienst? Wie stützen und fördern wir die katholische Medienarbeit?

Nein, es ist nicht die Zeit zum Jammern, im Gegenteil. Die Arbeit im Weinberg ist da – und die Arbeiter sind es auch. An uns liegt es, sie im Namen des Gutsherrn anzusprechen und zum Mitwirken einzuladen. Je mehr Arbeiter wir gewinnen, umso größer wird die Ernte. Dann können wir alle nach der Last des Tages zur Ruhe kommen und einmal sagen: Ja, Herr, wir sind Deiner Einladung gefolgt.