Sonntagslesung: Jesaja 50, 4–7; Philipper 2, 6–11; Lukas 19, 28–40 Zu den Lesungen des Palmsonntags 2019 (Lesejahr C).

Das Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem aus dem Lukasevangelium berichtet, im Unterschied zum Matthäus- und Markusevangelium, von einem schlichteren Einzug in Jerusalem; es wird einzig von einer Schar der Jünger gesprochen, die Jesus begleiten und ihm die Ehre erweisen, sowie von einigen anwesenden Pharisäern.

In der hellenistischen Kulturwelt, in Kleinasien, Palästina und Ägypten war es üblich, dass bei der Ankunft eines Königs oder eines anderen hohen Würdenträgers die soziale, politische und religiöse Führungsschicht und Scharen festlich gekleideter Bürger der Stadt – Erwachsene und Kinder – dem Kommenden auf dem Weg zur Stadt entgegengingen, um ihn mit Ehrerbietung willkommen zu heißen. Dabei wurden festliche Reden gehalten als Ausdruck der Anerkennung und Hochachtung, ehe die so verehrte Person anschließend feierlich in die Stadt hinein begleitet wurde.

Der Erzählung vom Einzug Jesu in Jerusalem (19, 28–40) geht unmittelbar das Gleichnis von einem „Mann vornehmer Herkunft“ voraus, der in ein Land reiste, um die Königswürde zu empfangen (19, 11–27). Die Einwohner seines Landes aber hassten ihn und ließen ihm sagen: „Wir wollen nicht, dass dieser Mann unser König wird“. Unmittelbar nach diesem Gleichnis folgt der Einzug in Jerusalem mit seinen Vorbereitungen. Lukas betont dabei vor allem die königliche Natur Jesu und die mangelnde Erkenntnis von Seiten der Bewohner Jerusalems. Jesus schickt zwei Jünger in ein Dorf und beauftragt sie, ein Fohlen, das sie dort finden werden, zu ihm zu führen. Als die Eigentümer nach dem Grund ihres Tuns fragten, antworteten die Jünger ohne weitere Erklärung: „Der Herr braucht es“. Jesus wählt ein Fohlen. Es ist dies zweifelsohne ein Verweis auf die Prophetie von Sacharja (vgl. Zacharia 9, 9).

Die Tatsache, dass auf dem Tier noch niemand gesessen hatte, konnte nahelegen, dass es für einen königlichen Gebrauch vorgesehen ist, wie es im Alten Orient nicht unüblich war, besondere Tiere auszusondern und bereitzustellen für wichtige, vornehmlich königliche Personen. Die Jünger Jesu legten Kleider auf das Tier sowie auf die Straße, wie wir es aus dem Alten Testament für den Empfang von Königen kennen (vgl. 2 Könige 9, 13).

Dabei begann „die Schar der Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Machttaten, die sie gesehen hatten“ und riefen, Psalm 118 zitierend: „Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Ehre in der Höhe!“. Lukas fügt hier den Begriff „der König“ ein und betont damit bewusst die königliche Natur Jesu. Dieser Ruf der „Schar der Jünger“ ist jenem Ruf der himmlischen Heerschar ähnlich, der auf dem Feld von Bethlehem anlässlich der Geburt Jesu erklang: „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden …“ (Lukas 2, 13–14). Der Lobpreis ertönte, nachdem ein Engel den Hirten die Geburt „des Retters, Christus, des Herrn, in der Stadt David“ angekündigt hatte.

Jesus war während seines öffentlichen Wirkens sehr oft umgeben von einer unzählbaren Menschenmenge, die ihm zuhörte und von ihm Heilung erwartete (vgl. Lukas 6, 17; 7, 11; 9, 37). Wo waren sie jetzt? Aus dem Text ist kaum etwas zu entnehmen. Lukas nennt nur die Jünger, die Jesus beim Einzug in die Stadt Jerusalem begleiten und ihm die Ehre erweisen. Und er spricht von „einigen Pharisäern aus der Menge“, die ihm zuriefen, seine Jünger zurechtzuweisen und zum Schweigen zu bringen.

Diese Pharisäer haben nicht nur Jesus nicht erkannt, sondern sie waren ihm vermutlich auch feindselig gesinnt, wie aus der Verbindung mit dem vorausgehenden Gleichnis (19, 11–27) deutlich wird. Jesus antwortete ihnen: „Ich sage euch: Wenn sie [das heißt die Jünger] schweigen, werden die Steine schreien“. Als Jesus sich nun der Stadt näherte, und sie vor sich erblickte, weinte er über sie: „Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was Frieden bringt. Jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen.“ (V. 42)

Jesus ist „der König, der kommt im Namen des Herrn“ (V. 38). Johannes der Täufer hatte einst seine Jünger zu Jesus geschickt mit der Frage: „Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“ (Lukas 7, 19). Diese Frage erhält nun im Ruf der Jünger Jesu ihre definitive Antwort. Jesus ist derjenige, der kommen soll.

Jesus ist König, und er wird dies auch vor Pilatus bejahen. Doch sein Königtum entspricht nicht den Erwartungen und dem Denken dieser Welt. Die Liturgie schlägt als erste und zweite Lesungen Jesaja 50, 4–7 und Philipper 2, 6–11 vor und bietet damit einen hermeneutischen Schlüssel zum Verständnis des Königtums Jesu: Jesaja 50, 7 wird als sogenanntes drittes Gottesknechtslied bezeichnet.

Der Ausdruck „mein Gott, der Herr“, welcher in dem kurzen Abschnitt dreimal wiederholt wird, betont die starke und innige Verbindung des Gottesknechtes mit dem Herrn. Dieser Gottesknecht ist vor allem ein Hörender und Gehorsamer Gott gegenüber. Er stärkt und tröstet die Müden und mutlos Gewordenen mit seinem Wort. Das bringt ihm Ablehnung, Verfolgung und Schmähungen ein (v. 5–6). Doch er wehrt sich nicht mit Gewalt und nimmt keine Rache, sondern setzt seine ganze Hoffnung und sein ganzes Vertrauen auf „Gott, den Herrn“, der ihn nicht zuschanden werden lässt.

Dies bezeugt letztlich auch der Philipperbrief: Jesus Christus, der Sohn Gottes, ging seinen Weg der Erniedrigung bis zum Tod am Kreuz. Dies war jedoch nicht das Ergebnis eines dunklen Mechanismus oder eines blinden Schicksals: Es war vielmehr seine freie Wahl durch die großherzige Zustimmung zum Heilsplan des Vaters. Seine beständige Verbundenheit mit dem Vater gab ihm die Kraft dazu, den Weg zu gehen, ohne Rache zu nehmen an jenen, die ihn verfolgten. „Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen.“ Jesus Christus ist in seiner Demut, in der wahren Größe seiner Liebe, wirklich der Herr.

Sonntagslesung: Die Kirche in Verfolgung Zeugnis für die göttliche Barmherzigkeit Apostelgesch. 5, 12–16; Offenbar. 1, 9–13.17-19; Johannes 20, 19–31  Zu den Lesungen des Weißen Sonntags 2019 (Lesejahr C):
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