Sonntagslesung: Deuteronomium 26, 4–10; Römer 10, 8–13; Lukas 4, 1–13 Zu den Lesungen des ersten Fastensonntags (Lesejahr C).

Die Versuchungen in der Wüste. Von Jesus über den geistlichen Kampf lernen. Von Regina Will

Am Beginn dieser Fastenzeit lädt uns die Kirche ein, die Versuchungen Jesu zu betrachten. Er, der Sohn Gottes, hat Fleisch angenommen und wurde ein Mensch, in allem uns gleich, außer der Sünde. Er wurde in allem wie wir in Versuchung geführt, hat aber nicht gesündigt (Hebräer 4, 15). Jesus widerstand entschieden den Versuchungen des Teufels, im Gehorsam gegenüber dem Wort und dem Willen des Vaters. Als Jesus Christus öffentlich zu wirken begann, „führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste herum“ (Lukas 4, 1). Kurz zuvor ließ sich Jesus von Johannes im Jordan taufen. Der Heilige Geist kam auf ihn herab und der Vater offenbarte seine Zuwendung und Liebe für seinen eingeborenen Sohn: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“ (Lukas 3, 21–22).

Der Evangelist Lukas präzisiert, dass es der Geist war, der Jesus vierzig Tage in der Wüste umherführte, wie einst das Volk Israel von Gott während 40 Jahren (Deuteronomium 8, 2) in der Wüste umhergeführt wurde. Jesus ist der neue Adam, der zu Beginn seines öffentlichen Auftretens von der „alten Schlange“, dem Teufel, versucht wird, aber im Gegensatz zum ersten Adam ihm Widerstand leistet.

Der heutige Abschnitt aus dem Lukasevangelium ist umrahmt von dem Stichwort „versuchen“, „Versuchung“. Die Wüste ist für den Evangelisten Lukas der Ort der Dämonen und somit der Ort des geistlichen Kampfes (Lukas 8, 29; 11, 24).

Jesus fastete während dieser vierzig Tagen. Nach vierzig Tage Fasten hatte er Hunger. In diesem Moment der physischen Schwäche nähert sich ihm der Teufel mit den höhnischen Worten: „Wenn du Gottes Sohn bist“ und nimmt so direkt Bezug auf die Sohnes-Proklamation des Vaters bei der Taufe Jesu (Lukas 3, 22). Jesus wird in allen drei Versuchungen in seinem „Sohnsein“, als der einzigartige und dem Vater wohlgefällige Sohn, angegriffen. Papst Benedikt XVI. stellte die Frage: „Was ist der Kern der drei Versuchungen, in die Jesus geführt wird? Es ist der Vorschlag, Gott zu instrumentalisieren, ihn für die eigenen Interessen, für die eigene Verherrlichung und für den eigenen Erfolg zu gebrauchen – und im Grunde sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen, ihn aus dem eigenen Leben zu entfernen und überflüssig erscheinen zu lassen“ (Generalaudienz am 13. März 2013).

Den Versuchungen des Teufels, wie sie im Evangelium dargestellt werden, entschieden zu widerstehen, das heißt der Genusssucht, dem Hochmut und dem Geltungsstreben zu entsagen, erfordert einen demütigen und zugleich starken Glauben an die treue und rettende Liebe des Vaters, in der Anerkennung, dass letztlich nur Er die tiefste und innerste Sehnsucht des Menschen stillen kann. „Die [drei] Versuchungen stellen gleichsam die Negativfolie der drei menschlichen Urwünsche dar, die zu kultivieren jeder Christ berufen ist. Denn Freiheit zum Warten-Können, Freiheit im Umgang mit den Dingen der Welt und Freiheit zum Machtverzicht sind jene christlichen Grundhaltungen, die die gläubige Kultivierung der menschlichen Urwünsche ausmachen“ (Kurt Koch, Gottes Schönheit leben).

Am Ende des heutigen Evangeliums heißt es: „Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab“ (Lukas 4, 13). Während seines öffentlichen Wirkens werden Menschen um ihn herum Jesus um spektakuläre Zeichen und Wunder bitten (Markus 8, 11–13), ihn zu ihrem König machen wollen (Johannes 6, 14–15); sie werden es ablehnen, dass er seinem bevorstehenden Leiden bewusst entgegengeht und offen davon spricht (Markus 8, 31–33). Jesus hatte also Zeit seines Lebens einen geistlichen Kampf auszutragen, um seiner Sendung treu zu bleiben, im Gehorsam gegenüber dem Wort und Willen des Vaters zu leben.

„Wenn du der Sohn Gottes bist“ – flüstert der Teufel – solltest du nicht von anderen verworfen werden, nicht gekreuzigt werden. Auf diese Pseudologik, die ihn sogar noch am Kreuz belästigen wird (Lukas 23, 35–37), beginnt Jesus schon zu Beginn seines öffentlichen Wirkens zu antworten. Jesus antwortet ruhig, lässt sich aber in keine Diskussion ein: Man diskutiert nicht mit dem Teufel. Die Worte, die er an Satan richtet, sind drei Sätze aus der Thora: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein (Deuteronomium 8, 3), du wirst den einzigen Herrn anbeten (Deuteronomium 6, 13, aus dem Sh'ma Israel, auf die einzig wahre Anbetung verweisend), du wirst deinen Gott nicht verführen (Deuteronomium 6, 16 LXX, aus dem unmittelbaren Kontext des Sh'ma Israel).

Die Kirche lädt uns immer wieder ein, über die Prüfungen, denen Christus ausgesetzt war, nachzudenken, denn wir sind als Christen ebenfalls wie der Herr selbst in diesen herausfordernden Kampf hineingenommen und verpflichtet, uns zu entscheiden. Der Epheserbrief ermahnt uns in diesem Zusammenhang, die „Rüstung Gottes“ anzuziehen, um „den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen“ zu können (Epheser 6, 10–18). Dabei bildet das aufrichtige Vertrauen in die treue und rettende Liebe des Vaters, der seinen Sohn nicht im Tod belassen, sondern auferweckt hat, den Schild des Glaubens, von dem es heißt: „Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen“ (Epheser 6, 16).

Gott wieder den ersten Platz in unserem Leben zu geben, ist ein Weg, den jeder Christ immer wieder aufs Neue beschreiten muss. Umkehren bedeutet, Jesus so nachzufolgen, dass sein Evangelium die konkrete Richtschnur des Lebens ist; es bedeutet, uns von Gott verwandeln zu lassen, anzuerkennen, dass wir Söhne und Töchter des himmlischen Vaters sind, dass wir von Gott, von seiner Liebe abhängen und das Leben nur gewinnen können, wenn wir es in ihm und um seinetwillen „verlieren“ (vergleiche Papst Benedikt XVI.). Begleiten kann uns in dieser Fastenzeit das Beispiel Marias, die in bedingungsloser Entschiedenheit den Willen des Vaters an sich geschehen ließ und entschlossen den Weg des Glaubens bis zum Ende ging, den der Vater sie führte. So kostete sie im Glauben auch die Früchte der Auferstehung Jesu (vergleiche Papst Benedikt XVI., Enzyklika Porta Fidei).

Sonntagslesung: Über die Schönheit der Apokalypse Die Hoffnung der Christen leuchtet auf als Kathedrale des Lichts Apostelg. 15, 1–29; Offenbarung 21, 10–23; Johannes 14, 23–29 Zu den Lesungen des sechsten Sonntags der Osterzeit (Lesejahr C):
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