„Sie sind wie Leuchttürme!“

Festgottesdienst und Festakt zum Jubiläum 1 200 Jahre Benediktinerabtei Münsterschwarzach
Foto: K. Schmeiser-Weiß | Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hob die benediktinische Lebensweise als Gegenpol zu einer verbreiteten Lässigkeit hervor.
Foto: K. Schmeiser-Weiß | Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hob die benediktinische Lebensweise als Gegenpol zu einer verbreiteten Lässigkeit hervor.

Münsterschwarzach (DT/POW) „Sie sind wie Leuchttürme in dieser Zeit!“ Das hat der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann beim Festgottesdienst zum Jubiläum 1 200 Jahre Benediktinerabtei Münsterschwarzach am Sonntag den Ordensleuten in der Abteikirche zugerufen. Mehr als tausend Gläubige feierten den Gottesdienst mit. „Dass Sie so zahlreich gekommen sind, um mit uns zu feiern, ist ein Zeichen Ihrer Verbundenheit“, sagte Abt Michael Reepen. Konzelebranten waren unter anderem Benediktinerprior Pascal Herold, der emeritierte Würzburger Bischof Paul-Werner Scheele, Bischof John C. Ndimbo aus dem tansanischen Partnerbistum Mbinga sowie Mitglieder des Domkapitels. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, Bundeswirtschaftsminister a. D. Michael Glos, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Regierungspräsident Paul Beinhofer sowie zahlreiche weitere Vertreter aus Politik und Gesellschaft feierten den Gottesdienst mit. Annette Schavan, Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl, hielt den Festvortrag zum Thema „Er führte mich hinaus in die Weite. Wie Irritationen auf Traditionen wirken können“. Das Jubiläumsjahr steht unter dem Motto „be open! – sei offen!“.

„Hinter der Gründung dieses Benediktinerklosters stehen der Wille und das Bemühen, den Weg aus der Vergänglichkeit in die Unvergänglichkeit zu finden und zu vermitteln“, sagte Bischof Hofmann in seiner Predigt. „Mit großer Hingabe und sichtbarem Erfolg haben die hier lebenden Mönche dieses Überschreiten des Sichtbaren in die unsichtbare Wirklichkeit Gottes nicht nur im Angesicht des Todes, sondern täglich im eigenen Lebensvollzug und in den sichtbaren Werken – Literatur, Musik, Kunst, Architektur – immer wieder neu gewagt.“

Die weltweit steigende Flüchtlingsproblematik, das Leben der Menschen an den Rändern der Gesellschaft oder die Ausbeutung der Welt und deren Folgen für den Klimawandel bezeichnete Bischof Hofmann als „gewaltige Herausforderungen unserer Zeit“. „Wir stehen vor einem gesellschaftlichen Umbruch, wie wir ihn seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland nicht mehr erlebt haben.“ Papst Franziskus habe auf dem Weltjugendtag in Krakau den Finger auf die Wunden der heutigen Zeit gelegt und zu einer Barmherzigkeit aufgerufen, die dem Wesen Gottes entspreche. „Welcher Jubel bei den Jugendlichen, welche Hoffnung bei uns Älteren, dass viele Menschen diese Botschaft verstehen und beherzt umsetzen mögen.“ Die letzte Konsequenz der Nachfolge Jesu im Loslassen allen Besitzes und aller anderen menschlichen Bindungen sei der Weg in eine Freiheit, „die irdische Grenzen übersteigt und uns schon jetzt den Himmel einen Spalt weit öffnet“. Die Benediktiner seien „ein Widerspruch zu einer Lässigkeit, die sich breitmacht, die aber auch aufgeschreckt sein will. Wie gut, dass es Sie gibt!“.

Beim Festakt erklärte Reepen, die Abtei sei immer auch ein Abbild und Gegenbild der Zeit gewesen. „Manchmal ist sie selbst in den Wirren der Zeit untergegangen, hatte nicht die Kraft, sich abzugrenzen, sich zu wehren. Und manchmal war sie ein Fels in der Brandung, Zeichen des Neubeginns, der Erneuerung und des Aufbruchs für Kirche und Gesellschaft“, sagte er. „Als Mönche des 21. Jahrhunderts sind wir herausgefordert, mit den Menschen, die uns verbunden sind, die Zeichen der Zeit zu erkennen, uns zu erneuern und Kirche und Welt mitzugestalten.“

Das Jubiläumsjahr der Benediktiner sei mit einer Reihe von Irritationen verbunden, griff Schavan den Titel ihres Vortrags auf. Der Terror sei mitten in Europa angekommen. 60 Millionen Menschen seien weltweit auf der Flucht, würden verfolgt oder verließen ihre Heimat, die von Kriegen und Gewalt heimgesucht werde. Jeder vierte junge Mensch im Alter bis 25 Jahren in Europa sei ohne Berufsperspektive. „Was ist geschehen, dass eine große europäische Tradition der Vielfalt und Toleranz, der Weltoffenheit und Freiheit, heute so verunsichert und ängstlich ist?“ Allein mit wirtschaftlichem Geschick und politischem Know-how sei Europa zum Scheitern verurteilt, war Schavan überzeugt. „Zu einer klugen Politik gehört die Barmherzigkeit.“ Wer das auseinanderdividiere, mache Politik zu purem Zynismus.

Die Europäische Union habe die Toleranz gegenüber Andersdenkenden verwechselt mit dem Verschweigen der Quellen ihres eigenen kulturellen Fundaments, fuhr Schavan fort. „Die Krise, in die unser Verständnis von Weltoffenheit und Freiheit, von Verantwortung und Toleranz geraten ist, lässt sich nicht durch weniger Weltoffenheit, weniger Freiheit, weniger Verantwortung und weniger Toleranz überwinden. Sie lässt sich nur überwinden durch den Weg zu den Quellen.“ Eine solche Quelle sei für viele Menschen die Abtei Münsterschwarzach. Die Irritationen der heutigen Zeit seien deshalb ein guter Grund, nicht nur mehr über Religion zu reden und sie zu leben, sondern sich auch aktiv für den Dialog mit anderen Religionen zu interessieren, forderte Schavan auf. „Es war ein Irrtum zu glauben, Religion werde an Bedeutung verlieren. Über 80 Prozent der Menschen, die heute auf der Welt leben, verstehen sich als glaubende Menschen. Die Ablehnung von Terror und Gewalt muss zur verbindenden Gemeinsamkeit glaubender Menschen werden.“ Benediktiner und Benediktinerinnen hätten viel Erfahrung in der Begegnung von Kulturen und Religion, mit der Kultivierung von Religion und der Zivilisierung durch Religion. „Deshalb brauchen wir Sie heute mehr denn je.“ Das Fest endete mit einer Pontifikalvesper in der Abteikirche.

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