Seligsprechung von Hlond rückt näher

Warschau (DT/KNA) Das Seligsprechungsverfahren für den polnischen Kardinalprimas August Hlond (1881-1948) kommt voran. Das Theologengremium der vatikanischen Heiligsprechungskommission billigte am Donnerstag die Belege für die Anerkennung des heroischen Tugendgrades, wie der stellvertretende Anwalt des Seligsprechungsverfahrens, Vizepostulator Boguslaw Koziol, am Freitag laut polnischen Medienberichten mitteilte. Die „Positio“ genannte Dokumentation muss demnach noch von der Kardinalsversammlung der Heiligsprechungskongregation geprüft werden. Die abschließende Entscheidung über eine Annahme oder Ablehnung des heroischen Tugendgrades liegt bei Papst Franziskus. Voraussetzung für eine Seligsprechung ist zudem, dass eine unerklärliche Heilung eines Menschen als Wunder auf Fürsprache Hlonds anerkannt wird. Eine solche Wunderheilung konnte bislang noch nicht nachgewiesen werden, hatte der Vizepostulator im Februar erklärt. Hlond leitete von 1926 bis 1948 als Primas die Polnische Bischofskonferenz. Er verteidigte die katholische Kirche in der Nachkriegszeit gegen die neuen kommunistischen Machthaber und vertraute 1946 Polen im Wallfahrtsort Tschenstochau (Czestochowa) der Gottesmutter Maria an. Er gilt als bedeutender, vorausschauender Primas. 1992 eröffnete der Warschauer Kardinalprimas Jozef Glemp das Seligsprechungsverfahren für seinen Vorvorgänger. Kritiker werfen Hlond allerdings Stimmungsmache gegen Juden und Deutsche vor. Er habe 1945 die deutschen Bischöfe der Oder-Neiße-Gebiete zum Rücktritt gedrängt. So soll er etwa seine Befugnisse überschritten haben, indem er dem Danziger Bischof Carl Maria Splett habe mitteilen lassen, er sei seines Bischofsamtes in der Ostseestadt enthoben. Deutsche Heimatvertriebene sprachen sich in der Vergangenheit gegen Hlonds Seligsprechung aus. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs floh Hlond vor den deutschen Besatzern nach Rom und später weiter nach Frankreich. In Radio Vatikan schilderte er die Verbrechen der Nazis. Die Nationalsozialisten verhafteten ihn und verwehrten ihm die Rückkehr nach Polen.

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