Schönborn: EU ist in erster Linie ein „Friedensprojekt“

Passau (DT/KNA) Der Wiener Kardinal Schönborn sieht die Europäische Union vor allem als ein „Friedensprojekt“. Trotz mancher Schwächen sei die EU für ihn als der sprichwörtliche Spatz in der Hand besser als die Taube auf dem Dach, sagte Schönborn am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion in Passau. Dagegen betonte der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus mehrfach den Unterschied zwischen Europa und der EU. Zwar existiere ein gemeinsamer europäisch-zivilisatorischer Raum mit jüdisch-christlichen Wurzeln. Doch gebe es weder eine europäische Nation noch eine von allen gemeinsam geteilte Geschichte. Als eine entscheidende Wurzel Europas führte der Kardinal das Christentum an. Dieses habe zum sozialen Netz des Kontinents beigetragen und die Menschenrechte als eine wichtige Basis ermöglicht. Stets sei das Christentum auch „prophetische Kritik gegen die herrschenden Verhältnisse“, denn selbst in demokratischen Gesellschaften bestehe die Gefahr, dass die Rechte der Schwachen unterdrückt würden. Schönborn nannte in diesem Zusammenhang besonders Ungeborene, Sterbende, Arbeitslose und Roma. Dennoch hätten die Christen kein Monopol auf Gerechtigkeit, es brauche auch die Korrektur durch die säkulare Sicht. Klaus, der Deutsch sprach, betonte, für ihn sei es nicht zwingend nötig, dass Europa eine gemeinsame Idee haben müsse.

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