Schlüssel zu einem erfüllten Leben

Informationsveranstaltung zum Weltjugendtag in München mit Kardinal Rouco aus Madrid. Von Dorothea Schmidt

München (DT) Wenn es im Dezember nach Spekulatius duftet, Menschen an Bistrotischen an ihren Tassen nippen und miteinander ratschen, dann handelt es sich normalerweise um eine Weihnachtsfeier. Im Karmelitersaal in München war das nicht so. Dort drehte sich am vergangenen Sonntag alles um den Weltjugendtag in Madrid. München – man kennt sich, die Atmosphäre ist familiär. „Hey!“, ruft ein Jugendlicher und klopft einem Kumpel auf den Rücken. Manche umarmen sich zur Begrüßung. Vier Mädchen setzen sich mit Tassen in der Hand in eine Ecke, um zu plaudern und zu lachen. Andere naschen wie ausgehungert Spekulatius und Lebkuchen.

Was nach einer launigen Adventsparty aussieht, ist in Wirklichkeit ein Info-Treffen zum Weltjugendtag 2011 in Madrid. Entsprechende Plakate und nicht zuletzt die Weltjugendtags-Hymnen, die ein fünfzehnköpfiger Chor von der Bühne schmettert, weisen darauf hin. Mitglieder der Jesuiten, der Jugend 2000, der Gemeinschaft Emmanuel und der Cruzadas haben spontan ein Weltjugendtags-Informationstreffen auf die Beine gestellt.

Den Anstoß dafür hat der Besuch des Madrider Kardinals Antonio Maria Rouco Valera in München gegeben. Er ist anlässlich der Gelübdeablegung zweier Schwestern des Säkularinstituts „Cruzadas de Santa Maria“ in die bayerische Hauptstadt gekommen. Da der nächste Weltjugendtag in Madrid stattfinden wird, haben die Cruzadas bei Diözesanjugendseelsorger Pfarrer Klaus Hofstetter angefragt, ob ein Treffen mit dem Madrider Kardinal möglich sei. Der sagte zu, sorgte für die Rahmenbedingungen, die Cruzadas verschickten eine Einladung, die sich wie ein Lauffeuer verbreitete.

Unter den Gästen sind denn auch einige Jugendliche, die zum ersten Mal einen Weltjugendtag besuchen werden und sich erkundigen wollen. In Flyern und in Gesprächen informieren Mitglieder der Gruppierungen über ihre Fahrt, die Kosten und das Vorprogramm. Die Jesuiten fahren nach Loyola, in die Heimat ihres Gründers Ignatius und bieten dann Projekte an wie Sozialarbeit im Flüchtlingslager oder Theaterspiel. Die Jugend 2000 macht Station in Lourdes und geht an der Baskischen Küste baden. Die Gemeinschaft Emmanuel fährt unter anderem nach Pamplona und Toledo. Dort soll es ein Schwimmbad geben, dass eigens für die Pilger reserviert ist. Und die Cruzadas fahren über Ars und Avila nach Madrid. Die Kosten für die Fahrten sind bei allen Gemeinschaften in etwa gleich. Philip Rusnak (28) von der Jugend 2000 erklärt den Sinn der Vorprogramme: „Das ist wichtig. Man muss sich kennen lernen und aneinander gewöhnen. Dann wird's auf dem Weltjugendtag umso intensiver.“

Er sagt's, als der Chor den Ohrwurm aus Köln anstimmt: Venimus adorare eum, Immanuel. Immer mehr Jugendliche klatschen und singen mit. Offenbar wecken die Lieder Erinnerungen an vergangene Weltjugendtage. Das Video, das an die Wand projiziert wird, tut seines dazu: Bilder aus Denver, Czenstochau, Sydney, Manila et cetera zeigen Massen von Jugendlichen, die beten, Kerzen entzünden, klatschen, singen, tanzen, das WJT-Kreuz tragen oder Fahnen schwenken. Das schafft Atmosphäre.

Die Heiterkeit hat einen gewissen Höhepunkt erreicht, da betritt Kardinal Rouco den Saal. Er wird mit lautem Beifall empfangen. Er habe – so munkelt man – für dieses Treffen einen Termin in Köln sausen lassen. Rouco liebt München. Er hat dort studiert, promoviert und als Kaplan gewirkt. Und weil der nächste Weltjugendtag in seiner Heimat stattfindet, ließ er es sich nicht nehmen, kurzentschlossen in München zu bleiben und ein paar Worte an die Jugend zu richten – auf bayerisch wohlgemerkt. Als er sich auf dem Podium vor das Mikrofon stellt, begrüßt er die Menge mit „Grüß Sie Gott.“

Damit hat er die Lacher auf seiner Seite, das hat niemand erwartet. Auch nicht, dass der Kardinal sich so pfiffig präsentieren würde, ganz so, wie die Leiterin der Cruzadas, Marieta Gongora, es vorher gesagt hatte: „Herr Kardinal, Sie werden immer jünger, Ihr Einsatz wird immer lebendiger.“ Allein in der Wortwahl des Kardinals zeigt sich hin und wieder ein Anflug von jugendlicher Frische: von „total gut besucht“ ist die Rede und von Weltjugendtagen, bei den „echt nie was passiert“ (an Unfällen).

Er spricht von den Anfängen der Weltjugendtage und der „christlichen Vitalität, wie man sie sich nicht vorstellen konnte“. Anlehnend an das WJT-Motto 2011 „Verwurzelt in Christus und gegründet auf ihn, fest im Glauben“, appelliert er, Europa müsse seine christlichen Wurzeln wieder entdecken. Die Jugend brauche ein Ziel, „festen Boden unter den Füßen“. Das sei Christus. Er sei der Schlüssel für ein erfülltes Leben. Es gebe nichts Schlimmeres, als wenn jemand ziellos durch das Leben und die Geschichte ginge. „Ich wünsche, dass alle Jugendlichen beim Weltjugendtag eine Erfahrung mit dem lebendigen Christus machen.“ Der Wunsch richtet sich nicht bloß an diejenigen, die schon gläubig sind. Sondern auch an Zweifler und Nichtgläubige.

Wie sehr Weltjugendtage Zweifler berühren können, davon hat Susanne Lainer (29) zuvor Zeugnis gegeben. Sie hat den Kölner Weltjugendtag im Fernsehen verfolgt und gedacht: „Krass, so viele Jugendliche!“ erzählt sie und sieht dabei so erstaunt aus, als hätte sie das gerade erst gesehen. Hätte sie jemanden gekannt, der hingefahren wäre, wäre sie sofort mitgekommen. Da sei etwas gewesen, das sie angezogen hat. Ein Jahr später traf sie im Urlaub einen Jugendlichen, der auf dem Weltjugendtag gewesen ist. Mit ihm sprach sie zum ersten Mal über den Glauben. Die Sehnsucht wuchs. Sie machte Erfahrungen mit Gott. Heute ist sie Mitglied der Gemeinschaft Emmanuel.

Solche Beispiele machen dem Kardinal Mut. Denn das Verhältnis zwischen Spanien und dem Vatikan ist angespannt. Das einst erzkatholische Volk hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr von der Kirche distanziert. Nur rund die Hälfte aller bis 29-Jährigen bezeichnet sich noch als katholisch. Aber diese 50 Prozent sind engagiert. Und das macht Rouco Hoffnung – trotz aller Herausforderungen, denen sich die Kirche stellen muss. „Es gibt viele neue geistliche Gemeinschaften, die Gutes tun“, berichtet der Kardinal aus seiner Heimat. Er hofft, dass der Weltjugendtag auch viele Spanier neu entflammen wird.

Informationen zu Fahrten nach Madrid: Jesuiten www.ignatianisch.de,

Jugend 2000 www.weltjugendtag.de, Cruzadas www.cruzadas.de,

Emmanuel www.e-wyd.com

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