Scharfe Kritik am Westen

Patriarch: Kirchenzerstörung in Maalula ist Kriegsverbrechen
Foto: dpa | Patriarch Gregoire III. Laham.
Foto: dpa | Patriarch Gregoire III. Laham.

Beirut/Damaskus (DT/KNA) Die Verwüstung des überwiegend von Christen bewohnten syrischen Ortes Maalula und seiner historischen Kirchen wertet der melkitische Patriarch von Antiochien, Gregoire III. Laham, als „ein echtes Kriegsverbrechen“. Der libanesischen Tageszeitung „L'Orient le Jour“ (Donnerstag) sagte er, für diesen Vandalismus gebe es keine militärische Rechtfertigung. Zugleich kritisierte der Kirchenvertreter eine „kriminelle Gleichgültigkeit“ des Westens, der „unter dem falschen Vorwand, eine Demokratie zu verteidigen, weiterhin dieses Schauspiel der Zerstörung unterstützt“.

Das griechisch-katholische Kirchenoberhaupt hatte sich vergangene Woche zusammen mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien, Johannes X. Yazigi, sowie Vertretern der syrisch-katholischen, syrisch-orthodoxen und armenisch-orthodoxen Christen in das Dorf begeben, das seit Monaten wiederholt in Gefechte zwischen Regierungstruppen und Kämpfern der al-Kaida-nahen Rebellengruppe Jabhat al-Nusra geriet. Alle vier historischen Kirchen des Dorfes seien betroffen, sagte Gregoire III. der Zeitung. „Uns bot sich ein Bild der Apokalypse. Andere Kirchen sind in Syrien zerstört worden, aber so etwas habe ich noch nie gesehen“, so der Patriarch. Er erinnerte daran, dass von sechs entführten Dorfbewohnern ebenso jede Spur fehle wie von den beiden in Syrien entführten orthodoxen Bischöfen. Das strategisch wichtig gelegene Christendorf Maalula westlich der syrischen Hauptstadt Damaskus ist mit seinen frühchristlichen Kirchen und Höhlenklöstern traditionell ein bedeutender Pilgerort. Das Dorf mit rund 2 000 Einwohnern ist einer der wenigen Orte, an dem noch Aramäisch gesprochen wird, die Sprache Jesu.

Themen & Autoren

Kirche