Sako fordert nationale Einheit im Irak

Chaldäisch-katholischer Patriarch fordert mehr Unterstützung für rückkehrwillige Christen

Bagdad/Linz (DT/KNA) Der chaldäisch-katholische Patriarch Louis Raphael Sako sieht im Sieg über die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) ein mögliches Sprungbrett für mehr nationale Einheit. Alle Iraker müssten als gleichberechtigte Bürger unter einem Dach leben, ungeachtet ihrer sonstigen Zugehörigkeiten nach Religion oder Kultur, betonte der Patriarch in seiner Weihnachtsbotschaft, wie das in Linz ansässige Hilfswerk „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) am Mittwoch berichtete. Als große Herausforderungen nennt der Patriarch etwa die Lösung der Kurdistan-Frage auf friedlichem Weg sowie den Kampf gegen Korruption und religiöse Diskriminierung.

Der Patriarch nahm in seinem Schreiben die irakische Regierung in die Pflicht, Sorge für die Rückkehr der Christen in ihre vom IS befreiten Dörfer und Städte in der Ninive-Ebene zu tragen. Dazu gehöre auch die Anerkennung ihrer Kultur und Zivilisation und ihres Erbes als wesentlicher Teil der irakischen Geschichte. Die Regierung müsse allen Versuchen entgegentreten, demografische Veränderungen in den historischen geografischen Gebieten der Christen vorzunehmen. In den Dörfern und Städten der Ninive-Ebene gebe es Bestrebungen, verstärkt Muslime anzusiedeln.

Die Kirche ermutigt die Christen, in ihre Dörfer und Städte in der Ninive-Ebene zurückzukehren. Sako ruft sie auf, sich nicht in ihre eigene kleine Welt zurückzuziehen, sondern sich engagiert in die irakische Gesellschaft einzubringen.

Der Irak zählt zu den ältesten Siedlungsgebieten des Christentums. Dessen Ursprünge im Zweistromland werden bis auf den Apostel Thomas zurückgeführt. Im irakischen Kernland, dem früheren Mesopotamien, stellten Christen vor der islamischen Eroberung im 7. Jahrhundert die Bevölkerungsmehrheit. Ihr Anteil nahm danach immer weiter ab.

Unter dem Regime von Saddam Hussein genossen die Christen vergleichsweise große Freiheiten. Nach Beginn des Irak-Kriegs 2003 flohen Hunderttausende von ihnen vor wachsender Diskriminierung, Anschlägen und Entführungen nach Syrien, Jordanien, Libanon oder in den Westen. Nach den Verfolgungen des IS verstärkte sich der Exodus.

Die irakischen Christen gliedern sich in zahlreiche Konfessionen. Die größte Gruppe bilden die mit Rom unierten Kirchen, darunter die katholischen Chaldäer als mit Abstand wichtigster christlicher Denomination mit früher gut 200 000 Mitgliedern.

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13.08.2021, 14  Uhr
Sebastian Sasse
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