Rom stellt Fellay ein Ultimatum

Piusbrüder können ihre negative Reaktion auf die doktrinelle Präambel bis Mitte April noch einmal überdenken

Rom (gho) Auf ein sehr geringes Echo ist am Wochenende eine Erklärung des Vatikans gestoßen, aus der hervorgeht, dass die Priesterbruderschaft St. Pius X. nochmals eine Frist erhalten hat, um ihre negative Reaktion auf die doktrinelle Präambel zu überdenken, die ihr die Glaubenskongregation am 14. September 2011 vorgelegt hatte. Das wurde dem Generaloberen der Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, am vergangenen Freitag in der Glaubenskongregation mitgeteilt. In einer Erklärung, die das Presseamt des Vatikans anschließend herausgab, ist nicht ausdrücklich von einer Frist die Rede. Das gab vielmehr Vatikansprecher Federico Lombardi SJ mündlich bekannt, der vor Journalisten davon sprach, dass die Leitung der Pius-Bruderschaft nochmals einen Monat Zeit habe, ihre Haltung zu überdenken. Weder in den Medien noch in kirchlichen Kreisen hat es auf die vatikanische Mitteilung vom Freitag besondere Reaktionen gegeben.

In der Vatikanerklärung wird nochmals daran erinnert, dass im vergangenen September die sogenannte doktrinelle – und bis heute nicht veröffentlichte – Präambel an die Pius-Bruderschaft beziehungsweise ihren Oberen Fellay gegangen war. Im Januar 2012 kam dann die Antwort der Bruderschaft. Sie war ablehnend. Zum Fest Mariä Lichtmess im Sankt Thomas von Aquin-Seminar der Piusbrüder in Winona in den Vereinigten Staaten meinte Fellay in einer Predigt, die Oberen der Priestergemeinschaft seien „genötigt“ gewesen, zu der von Rom angebotenen Lösung offener Lehrfragen „nein zu sagen“ (DT vom 6. Februar). In der doktrinellen Präambel, so hieß es jetzt am Freitag in der Vatikanerklärung, „wurden gewisse lehrmäßige Prinzipien und Kriterien für die Interpretation der katholischen Lehre angeführt, die notwendig sind, um die Treue gegenüber dem Lehramt der Kirche und das Sentire cum Ecclesia (Denken mit der Kirche) zu gewährleisten.“ Zu der ablehnenden Haltung der Bruderschaft heißt es dann in der Erklärung des Vatikans vom Freitag: „Entsprechend dem Beschluss von Papst Benedikt XVI. wurde die Bewertung dieser Antwort heute S.E. Bischof Fellay schriftlich überreicht. Diese Bewertung weist darauf hin, dass die von ihm ausgedrückte Haltung nicht ausreichend ist, um die lehrmäßigen Schwierigkeiten zu überwinden, welche dem Bruch zwischen dem Heiligen Stuhl und der Bruderschaft zugrunde liegen.“

Und weiter: „In der Sorge, eine kirchliche Trennung mit schmerzhaften und unberechenbaren Folgen zu vermeiden, wurde der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. im Laufe des heutigen Treffens eingeladen, seine Haltung abzuklären, um zur Verminderung des bestehenden Bruches (reduction de la fracture existante) zu kommen, so wie dies Papst Benedikt XVI. gewünscht hat.“ Der letzte Satz macht deutlich, dass es am Ende offensichtlich gar nicht mehr um eine komplette Aussöhnung ging, sondern nur noch um die „Verminderung“ des Bruchs – was in seiner konkreten Bedeutung von der Vatikanerklärung nicht weiter ausgeführt wurde.

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