„Priester war zur Klärung bereit“

„Das Werk“ nimmt Stellung zu Gehirnwäsche- und Missbrauchsvorwürfen eines Ex-Mitglieds

Wien (DT/sb) Schwere Vorwürfe gegen eine – von ihr selbst nicht namentlich genannte – geistliche Gemeinschaft in Österreich, der sie mehrere Jahre angehörte, hat eine heute 31-jährige Deutsche erhoben. Doris Wagner, die diese Gemeinschaft 2011 verließ und mittlerweile in Münster promoviert, spricht in Zeitungsinterviews von „Gehirnwäsche“ und totaler Kontrolle. „Das Kloster wurde wie eine Sekte geführt“, sagt sie. Von einem Priester der Gemeinschaft sei sie mehrfach missbraucht worden, erzählt die Frau, die darüber nun auch ein Buch veröffentlichte. Sie habe den Priester in Österreich und in Deutschland angezeigt, doch sei „ihm nichts passiert“.

Am Samstag nahm die geistliche Gemeinschaft „Das Werk“ offiziell zu den Vorwürfen Stellung: „Es schmerzt uns, dass ein ehemaliges Mitglied unserer geistlichen Familie durch diese Publikation auch andere junge Gemeinschaften diskreditiert“, heißt es in der vom Regionsverantwortlichen, Pater Georg Gantioler, gezeichneten Stellungnahme. Zu den Missbrauchs-Behauptungen heißt es darin: „Wir bedauern sehr, dass ein Priester unserer Gemeinschaft eine kurze intime Beziehung zu der damals 24-jährigen Schwester unterhalten hat.“ Dieser Vorfall aus dem Jahr 2008 sei Jahre später angezeigt worden, doch sei „der suggerierte Vorwurf der Vergewaltigung sowohl von der Staatsanwaltschaft in Deutschland als auch von der Staatsanwaltschaft in Österreich als nicht zutreffend zurückgewiesen worden“. Der betroffene Priester sei „stets zu rechtlicher, kirchlicher und persönlicher Klärung des Vorfalls und zu persönlicher Buße bereit“ gewesen.

Aufgrund der in dem neuerschienenen Buch von Doris Wagner geschilderten Vorwürfe sei es zu einer Apostolischen Visitation gekommen, heißt es in der Stellungnahme weiter. Die Besuche des Visitators in den Niederlassungen der Gemeinschaft sowie die Gespräche mit allen Mitgliedern und einigen ehemaligen Mitgliedern seien mittlerweile abgeschlossen, doch stehe der abschließende Bericht der Kongregation noch aus.

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