Portrait der Woche: Miguel Angel Ayuso Guixot

Portrait der Woche: Miguel Angel Ayuso Guixot

Er tritt kein leichtes Erbe an. Der Spanier und Comboni-Missionar Miguel Angel Ayuso Guixot ist neuer Präsident des Päpstlichen Rats für den Interreligiöses Dialog. Sein Vorgänger, Kardinal Jean-Luis Tauran, war für den Rat ein Glücksfall. Eine schwere Krankheit hatte den gebildeten und diplomatisch versierten Kurienmann 2003 gezwungen, sein Amt an der Spitze der für die auswärtigen Beziehungen zuständigen Sektion im vatikanischen Staatssekretariat aufzugeben. Doch er erholte sich und kehrte 2007 in das diplomatische Geschäft zurück. Der Rat ist zuständig für die Kontakte zu den anderen Religionen und für die Beziehungen zur islamischen Welt.

Schon in den letzten Jahren stützte sich Tauran auf den Sekretär des Dikasteriums, den heute 66 Jahre alten Ayuso Guixot, der nun, nach dem Tod des Kardinals im vergangenen Jahr, dessen Nachfolger wird. Der Spanier war seit 2002 Präsident des Päpstlichen Instituts für Arabische und Islamische Studien in Rom, vorher hatte er als Missionar im Sudan und Ägypten gewirkt, zudem lehrte er später in Khartum und Kairo. Also ein ausgewiesener Fachmann, wenn es um den Dialog mit der muslimischen Welt geht.

Benedikt XVI. berief ihn schließlich 2012 als Sekretär des Dialog-Rats. Ursprünglich hatte der deutsche Papst zu Beginn seines Pontifikats diese Stabsstelle dem Kultur-Rat eingegliedert. Aber dann kam 2007 die Regensburger Vorlesung Benedikts und der Religions-Rat musste wieder her. Nicht zuletzt als Feuerwehr, wenn es darum ging, Wellen der Erregung in der islamischen Welt zu glätten.

So ganz ist das eigentlich erst Papst Franziskus gelungen. Vorläufig.

DER BRÜCKENBAUER

Das Stichwort der päpstlichen Diplomatie ist die „Brüderlichkeit“. Ayuso Guixot begleitete den Papst im vergangenen Februar nach Abu Dhabi, wo Franziskus mit dem Großimam Ahmad al-Tayyeb der Al-Azhar in Kairo das historische Dokument über die „Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ unterzeichnete.

Nachdem die Al-Azhar-Universität 2011 den Dialog mit dem Vatikan ausgesetzt hatte, war Ayuso Guixot ab 2013 maßgeblich an dessen Wiederaufnahme beteiligt. Die „Mauern aus Angst und Unkenntnis niederreißen und gemeinsam Brücken der Freundschaft errichten“, hatte Ayuso Guixor jüngst der islamischen Welt in der vatikanischen Botschaft zu Beginn des Ramadan gewünscht.

Angesichts des Islamismus und der Radikalisierung in der muslimischen Welt wird diese Aufgabe wie ein Bohren harter Bretter bleiben. Zumindest ist der neue Chef des Rats für den Interreligiösen Dialog dafür bestens vorbereitet.

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