Pendant und Lobpreis

Bischof Hofmann zur Gestaltung des Gotteslobs. Von Regina Einig
Foto: KNA | Das neue Gebet- und Gesangbuch in den Händen von Bischof Friedhelm Hofmann.
Foto: KNA | Das neue Gebet- und Gesangbuch in den Händen von Bischof Friedhelm Hofmann.

Überliefertes und Zeitgenössisches zu einer harmonischen Einheit verbinden war das Ziel der deutschen Bischofskonferenz, als sie sich zur Herausgabe des neuen „Gotteslob“ entschloss. Nicht nur Lieder und Texte, sondern auch die künstlerische Gestaltung tragen diesem Bestreben Rechnung. Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann, der die Arbeiten zwölf Jahre lang als Vorsitzender der Unterkommission „Gemeinsames Gebet- und Gesangbuch“ der Deutschen Bischofskonferenz leitete, stellt in seinem aktuellen Buch „Zeichnung als Zwiesprache“ das Bildprogramm vor und erläutert die Überlegungen, nach denen die Auswahl getroffen wurde. Die berühmte Darstellung der sich beinahe berührenden Fingerspitzen aus der „Erschaffung Adams durch Gott“ von Michelangelo an der Decke der Sixtinischen Kapelle in Rom beispielsweise sei als Eröffnungsbild gewählt worden, „da im ersten Menschen die Schöpfung ihr Sprachrohr gewinnt“.

Deutlich wird in Bischof Hofmanns Ausführungen, dass bei der Bildgestaltung nichts dem Zufall überlassen wurde. Ein Highlight des Gotteslobs, die Abbildung des romanischen Kruzifixes aus Erp, besticht nicht nur durch das Objekt selbst, sondern auch dank der Fotografie: Die Perspektive ist so gewählt, dass der Betrachter sich zu Füßen des Kreuzes glaubt und bald zum Beter wird.

Am umfassendsten geht der Autor auf die Zeichnungen der 1950 geborenen Künstlerin Monika Bartholomé im Stammteil ein. Teilweise erinnern die Tuschezeichnungen an fernöstliche Kalligraphie, teilweise wirken sie wie ein Logo. Zeichnen ist für sie „Zwiesprache zwischen den Linien, zwischen dem Papiergrund und der Linie, zwischen dem, was entsteht“. Eindeutige Festlegungen sollen vermieden und dem Betrachter einen persönlichen Einstieg in das Gebet- und Gesangbuch ermöglichen, „der einem Abenteuer gleicht“, wie Bischof Hofmann unterstreicht: „So finden die Lieder und Texte in den Zeichnungen ein antwortendes Pendant, ein ausgleichendes optisches Gegengewicht innerhalb der graphischen Gestaltung und einen eigenen künstlerischen Lobpreis.“

Welche Bandbreite an Interpretationsweisen sich hier bietet, veranschaulicht das Essay über das schwingenförmige Symbol auf dem Cover des Gotteslobs: Vom Tau über das Kreuzmotiv und eine Gestalt mit ausgebreiteten Armen bis zum Symbol der heiligsten Dreifaltigkeit spannt sich der Bogen der Assoziationen. Bei klassischem Liedgut greift die Künstlerin zuweilen auf vertraute Symbole zurück: ein Beispiel dafür ist der mit wenigen Strichen skizzierte Kelch, der mit dem Lied „Beim letzten Abendmahle“ abgedruckt ist, doch ist das eher die Ausnahme. Gerade das Unbestimmte der meisten Zeichnungen versteht Bischof Hofmann als „Anruf zum Hinschauen“. Seine Meditationsimpulse richten sich an alle, die einen eigenen Weg zum Verstehen von Monika Bartholomés Beiträgen zum Gotteslob finden wollen.

Friedhelm Hofmann: Zeichnung als Zwiesprache. Die künstlerische Gestaltung des neuen Gotteslobs. Echter, Würzburg, 2015, gebunden, 102 Seiten, ISBN 978-3-429-03905-9, EUR 9,90

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