Pekings Druck hat Wirkung

China: Neue Spitze der Bischofskonferenz von Rom nicht anerkannt

Rom (DT/KNA) Die staatstreue katholische Kirche Chinas hat einen vom Vatikan nicht anerkannten Bischof zum Vorsitzenden ihrer Bischofskonferenz gewählt. Während der am Donnerstag in Peking zu Ende gegangenen Vollversammlung stimmten die gut 300 Delegierten nahezu einstimmig für den Bischof von Kunming, Joseph Ma Yinglin, wie der römische Pressdienst asianews berichtet. Ma war 2006 ohne Zustimmung des Vatikan zum Bischof der südchinesischen Stadt geweiht worden. Grund für die Ablehnung Roms soll zu große Staatstreue und eine unzureichende Erfahrung Mas als Seelsorger gewesen sein. Zum Präsidenten der „Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung“ wurde der mit Zustimmung Roms geweihte Bischof von Linyi, John Fang Xingyao, gewählt. Generalsekretär der Bischofskonferenz wurde laut asianews der am 20. November gegen den Willen Roms zum Bischof geweihte Guo Jincai von Chengde.

Auch unter den neu gewählten sechs stellvertretenden Vorsitzenden befinde sich ein vom Papst nicht anerkannter Bischof. Weder die Bischofskonferenz noch die Patriotische Vereinigung sind als Körperschaften vom Vatikan anerkannt. Dutzende Bischöfe sollen zur Teilnahme an der Vollversammlung gezwungen worden sein. Außer den Bischöfen hätten auch Laien und Regierungsvertreter teilgenommen. Die Bischöfe stellten demnach bei dem Treffen nur eine Minderheit. Der Vorsitz der Bischofskonferenz war seit 2005 vakant, die Präsidentschaft der Patriotischen Vereinigung seit 2007. Die Beziehungen zwischen dem Vatikan und China waren zuletzt durch die von den chinesischen Behörden gegen den Willen Roms durchgesetzte Bischofsweihe Guos belastet worden. Der Vatikan hatte diesen Schritt scharf verurteilt. Die Katholiken in China sind seit 1957 in eine vom Staat verfolgte romtreue Untergrundkirche und die offizielle „Chinesische Katholische Patriotische Vereinigung“ gespalten. Während der Kulturrevolution von 1966 bis 1976 wurde das Christentum unterdrückt.

Die katholische Kirche steht weiterhin unter strenger Kontrolle der Regierung. Die „Untergrund-Katholiken“ erhalten keine Erlaubnis zum Bau von Kirchen. Immer wieder werden Priester und Bischöfe verhaftet. In der Praxis ist die Grenzziehung zwischen beiden Gruppierungen verschwommen. Mittlerweile sind rund 90 Prozent der Bischöfe Chinas vom Papst anerkannt.

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