Peking soll sich besinnen

Kardinal Zen: Tiananmen-Massaker als Verbrechen anerkennen

Rom (DT/KNA) Zum 20. Jahrestag des Tiananmen-Massakers hat Kardinal Joseph Zen Ze-kiun die chinesische Regierung zur Verantwortung gerufen. Es sei traurig, dass Peking das gewaltsame Vorgehen gegen die Demonstranten noch immer nicht als „Irrtum und Verbrechen“ anerkannt habe, sagte der emeritierte Erzbischof von Hongkong in einem Interview mit dem römischen Pressedienst asianews am Montag. Etliche Jahre nach dem Tod des damaligen Regierungschefs Deng Xiaoping (1904–97) müsse es möglich sein, Klarheit und Gerechtigkeit herzustellen, sagte Zen. Bei der blutigen Niederschlagung der Studentenproteste in Peking um den 4. Juni 1989 sind nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen bis zu dreitausend Demonstranten ums Leben gekommen. Am Ursprung dieser „ungeheuren Tragödie“ stehe das diktatorische System Chinas, sagte der Kardinal. Zugleich kritisierte er Hongkongs Verwaltungschef Donald Tsang für seine Äußerung, man solle die Tiananmen-Episode mit Blick auf die fruchtbare wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Hongkong und der Volksrepublik der Geschichte übereignen. Zen nannte die Forderung eine „Dummheit“. „Kein Erfolg oder Aufschwung kann eine derart schreckliche Gewaltanwendung rechtfertigen“, sagte der 77-Jährige. In Erinnerung an das Massaker findet in Hongkong jährlich am 4. Juni eine Gedenkveranstaltung statt.

Themen & Autoren

Kirche