Papstbesuch: Wanke erwartet starke Impulse

Der Heilige Vater wird den Glauben stärken, den Aufbau nach der Wende würdigen und die Einheit der Kirche vorantreiben. Von Franziska Pröll

Erfurt (DT) Der Erfurter Bischof Joachim Wanke sieht dem Papstbesuch optimistisch entgegen. „Der Papst wird helfen, den Glauben zu stärken“, erklärte Wanke am Freitag vor Journalisten. Die Predigten des Papstes und unser gemeinsames Beten mit ihm würden den Christen helfen, sich tiefer mit Christus zu verbinden. Der Bischof zitierte das Johannesevangelium: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ Wanke erwartet vom Papstbesuch, dass diese Christusverbundenheit im Leben der Gläubigen fruchtbar wird. „Glaube lebt vom Glauben anderer“, sagte er. Mit dem Papst werde ein prominenter Glaubenszeuge anwesend sein, dessen Ansprachen auswertbar sind und helfen, bestimmte Dinge einzuordnen. „Selbst wenn man nicht alle seine Positionen teilt, wird man nachdenklich“, meinte der Bischof.

Dass mit dem Heiligen Vater ein Repräsentant der Weltkirche nach Thüringen kommen wird, bewertete Wanke als positiv. „Das Kommen des Papstes erinnert uns daran, dass wir Teil einer weltumspannenden Kirche Jesu Christi sind“, erklärte er. Durch ein „Geben und Empfangen“, dem Austausch zwischen Benedikt XVI. und den Gläubigen, werde deren Horizont erweitert. So könnten sie für kurze Zeit aus dem Gewohnten, der Diasporasituation des Ostens, ausbrechen. Dann rückte Wanke die Anforderungen der Gegenwart in den Blick. „Wir haben die staatskommunistische Zeit mit ihren typischen Herausforderungen überstanden“, sagte er. Deshalb gelte es jetzt, einer liberalen, pluralistischen Gesellschaft zu begegnen. „Der Glaube an Gott ist nicht mehr das Selbstverständliche, das kirchlich Gewohnte trägt nicht mehr so wie früher“, unterstrich der Bischof. Oft sei es vor allem für junge Menschen schwierig, etwas zu finden, an dem sie sich ausrichten oder von dem sie sich abgrenzen können. „Was ist die Mitte unseres Glaubens? Und was hilft uns dabei, an dieser Mitte festzuhalten?“, seien drängende Fragen. Vom Kommen des Papstes erhofft sich Wanke „Zuspruch und eine klare Ansage“, um sich den Schwierigkeiten dieser Zeit stellen zu können. Zudem wünsche er sich, dass die Worte des Papstes auch nicht glaubende Thüringer erreichen, denn die „Türen und Fenster der Kirche“ würden für alle Menschen hier und heute offen stehen.

Wanke zufolge hat sich Benedikt XVI. bewusst für einen Besuch der neuen Bundesländer entschieden. Der Papst würdige den Aufbau nach der Wende. Nach der friedlichen Revolution seien die Menschen „reich beschenkt“ worden. Bischof Wanke rief dazu auf, die „neu gewonnene Freiheit verantwortlich zu gestalten.“ Von Papst Benedikt XVI. erwartet er, dass er Fragen aufwerfen wird, die sich insbesondere an junge Christen richten. Sie sollten sich in Politik und Gesellschaft einmischen und nicht alles mit sich machen lassen. „Welche Gesellschaft wollt ihr? Was ist euer Beitrag für das neue Europa?“, führte Wanke als Beispiele an. Denn eine Zukunft könne nur dann gelingen, wenn Gott „nicht vergessen oder bewusst ausgeblendet“ wird.

Ein Aspekt des Papstbesuches, an den aus Wankes Sicht hohe Erwartungen gerichtet sind, ist die Ökumene. Dass Benedikt XVI. führenden Vertretern der Evangelischen Kirche an dem Ort begegnen wird, wo die Reformation in vollem Gange gewesen ist, habe „hohen symbolischen Wert“. Vor allem der Tatsache, dass der Heilige Vater nicht nur mit den evangelischen Priestern reden, sondern mit ihnen beten will, misst Wanke große Bedeutung zu. Er erhoffe sich dadurch einen „kräftigen Impuls“, durch den die Einheit der Kirche einen Schritt näherrückt. „Das Evangelium Jesu ist nicht geteilt“, erklärte er, „wir können es nur gemeinsam leben und so glaubwürdig bezeugen.“

Außerdem zeigte sich der Bischof überzeugt, dass die Bilder des Papstbesuchs Erfurt als ökumenische Stadt in den Blick rücken werden. Schließlich bezog Wanke Stellung zur Kritik am Papstbesuch. Die Kritiker sollten den Papst als „wichtige zeitgeschichtliche Person“ betrachten. Die Kirche finanziere die liturgischen Veranstaltungen. Zudem sei Benedikt XVI. als Staatsgast eingeladen worden. Wanke forderte mit Blick auf den Papstbesuch zu „Nachdenklichkeit, Fairness und Respekt“ auf.

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