Papst soll Deutschland besuchen

Franziskus empfängt EKD-Vorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx gemeinsam in Rom
Ökumene - Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Marx
Foto: dpa | Marx und Bedford-Strohm im Oktober 2016 vor der Geburtskirche in Bethlehem.

Vatikanstadt (DT/KNA) Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben Papst Franziskus gemeinsam nach Deutschland eingeladen. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sprachen die Einladung am Montag bei ihrem Besuch im Vatikan aus.

Im Anschluss an das Treffen mit dem Papst sagten sie vor Medienvertretern in Rom: „Wir freuen uns über seine persönliche Unterstützung für den Weg der Ökumene in unserem Land. Das ist auch eine starke Ermutigung für viele Millionen Christen, die in der gemeinsamen Flüchtlingshilfe oder in den ökumenischen Gesprächskreisen eng verbunden sind.“ Marx erklärte: „Die Tatsache, dass wir als Kirchen gemeinsam den Heiligen Vater nach Deutschland einladen, ist auch ein Zeichen unseres ökumenischen Wegs.“ Es war zuletzt immer wieder spekuliert worden, ob Franziskus in diesem Jahr Deutschland besuchen könnte, da dort vor fünfhundert Jahren durch Martin Luther die Reformation ausgelöst wurde. Bereits 2015 hatten die katholischen Bischöfe den Papst offiziell in die Bundesrepublik eingeladen. Marx hatte die Erwartungen auf einen baldigen Besuch von Franziskus in Deutschland allerdings mehrfach gebremst.

Franziskus hatte Bedford-Strohm zu einer Audienz im Vatikan empfangen. Begleitet wurde dieser vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz sowie einer ranghohen EKD-Delegation. Das gemeinsame Reformationsgedenken biete die Gelegenheit, „einen weiteren Schritt vorwärts zu tun“, sagte der Papst in seiner Ansprache. Er forderte eine „Intensivierung des theologischen Dialogs“, um die weiter bestehenden Differenzen in Glaubenslehre und Ethik zu überwinden. „Besonnen müssen wir uns mit inständigem Gebet und all unseren Kräften darum bemühen, die noch bestehenden Hindernisse zu überwinden“, so Franziskus. Besonders in gemischt-konfessionellen Ehen sei der Schmerz über das Trennende zwischen Katholiken und Protestanten groß.

Zugleich forderte der Papst eine Stärkung der praktischen Zusammenarbeit zwischen EKD und Deutscher Bischofskonferenz für Notleidende und Umwelt. Den ökumenischen Dialog zwischen Protestanten und Katholiken in Deutschland würdigte Franziskus als „segensreichen Weg des geschwisterlichen Miteinanders“. Er forderte beide Seiten auf, mutig und entschlossen auf diesem Weg weiterzugehen. „Wir haben die gleiche Taufe: Wir müssen zusammen gehen, ohne müde zu werden.“

Die Audienz dauerte etwa 45 Minuten. Bedford-Strohm hatte die Begegnung mit Franziskus vor der Reise als „weiteren Meilenstein“ auf dem Weg zu einem ökumenisch gestalteten Reformationsjubiläum 2017 bezeichnet. Es sei an der Zeit, „gemeinsam über weitere konkrete Schritte auf dem Weg zur sichtbaren Einheit nachzudenken“.

Franziskus sagte weiter, er sei dankbar, dass Protestanten und Katholiken in Deutschland anlässlich des Reformationsgedenkens einen bedeutenden gemeinsamen Akt der Buße und Versöhnung am 11. März in Hildesheim vollzögen. Er äußerte die Hoffnung, der ökumenische Gottesdienst sowie die weiteren Initiativen von EKD und Deutscher Bischofskonferenz könnten Impulse sein, um noch rascher auf dem Weg voranzukommen.

Franziskus hielt seine Ansprache auf Italienisch. Der Besuch findet statt im „Luther-Gedenkjahr“, das an den Auftakt der Reformation vor 500 Jahren erinnert. Mit der Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers am 31. Oktober 1517 begann die Reformation. Für Bedford-Strohm, seit November 2014 Ratsvorsitzender, handelt es sich bereits um die zweite Begegnung mit dem Papst.

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