Orthodoxe Synode im Visier türkischer Nationalisten

Istanbul (DT/KNA) Mit Strafanzeigen und Beschwerden bei den Behörden versuchen türkische Nationalisten, die griechisch-orthodoxe Synode von Konstantinopel an ihrer Versammlung in dieser Woche zu hindern. Wie die türkische Zeitung „Hürriyet“ (Dienstag) berichtete, forderte der Vorsitzende eines nationalistischen Vereins den Gouverneur von Istanbul schriftlich auf, die Synodalversammlung am Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel zu verhindern, weil nicht alle Mitglieder der Synode türkische Staatsbürger sind. Damit verstoße die orthodoxe Kirche gegen türkisches Recht, argumentierte der Beschwerdeführer, Tahsin Salihoglu. Wenn die Synode nicht aufgelöst werde, wolle er Strafanzeige gegen den Patriarchen erstatten. Schon seit Jahren versuchen türkische Nationalisten, die Synode von den Behörden oder der Justiz auflösen zu lassen. Sie berufen sich dabei auf die türkische Interpretation des Friedensvertrages von Lausanne aus dem Jahr 1923. Demnach wird das Patriarchat von Konstantinopel lediglich als örtliche Kirche betrachtet und eine Zuständigkeit für seine außertürkischen Diözesen bestritten. Das Patriarchat verteidigte sich in einer Erklärung gegenüber „Hürriyet“. Wenn die Türkei dem Patriarchat schon keinen Rechtsstatus gewähre, könne sie dem Patriarchen auch nicht vorschreiben, wen er persönlich zu seinen Versammlungen einlade. Die Türkei erkennt das Patriarchat wie auch andere Kirchen und Religionsgemeinschaften nicht als Rechtspersönlichkeiten an.

Themen & Autoren

Kirche