Ordensleben außerhalb des Klosters

Internationales Treffen der Laienzisterzienser in Santa María de Huerta in Spanien – Gemeinsame Suche nach Identität

Der weltweite Aufbruch der Laien mit dem heiligen Benedikt findet auf vielfältige Weise Ausdruck: Fast 30 000 Laien leben derzeit als Benediktineroblaten, Laienzisterzienser oder Zisterzienseroblaten außerhalb der Klöster nach den Werten und Traditionen der alten Mönchsväter. Geeint sind diese Christen durch die Berufung, das benediktinische oder zisterziensische Charisma in der Verbundenheit mit einem Kloster zu leben, wobei sie an ihrem jeweiligen Ort und in ihrem Stand verbleiben. Auf diese Weise gewinnen Laien einen großen Anteil daran, das benediktinische und zisterziensische Ordenserbe aufrecht zu erhalten.

Vom 31. Mai bis 7. Juni 2008 haben beim 4. Internationalen Treffen der Laienzisterzienser mehr als hundert Delegierte aus 34 Gemeinschaften in der spanischen Abtei Santa Maria de Huerta in der Provinz Soria getagt. Zu den Teilnehmern zählten, neben dem Generalabt der Zisterzienser der strengen Observanz, Dom Bernardo Oliviera, die Generaloberinnen der drei Orden zisterziensischer Prägung, zahlreiche Äbte und Äbtissinnen und weitere Ordensleute aus den vertretenen Klöstern der unterschiedlichen Kontinente. Das gesamte Treffen war geprägt durch den liturgischen Rahmen des zusammen mit den Mönchen gefeierten Stundengebets und der Eucharistiefeier. Die Arbeitseinheiten waren unterteilt in Plenumsvorträge mit Diskussionen und Arbeit in Sprachgruppen. Ziel des Treffens war es, die Identität der Laienzisterzienser zu beschreiben und Zukunftsperspektiven zu formulieren.

Ergebnis der zahlreichen Arbeitssitzungen war eine gemeinsame Erklärung der Delegierten der vertretenen Klöster an alle zisterziensischen Orden zum Selbstverständnis der Laienzisterzienser. Die Formulierung einer „Charta Charitatis“ für Laienzisterziensergemeinschaften und die Abstimmung darüber beschloss die Gründung einer Vereinigung der Gemeinschaften der Laienzisterzienser für zunächst drei Jahre. Abschließend wurde ein Votum verabschiedet für die Anerkennung der Laienzisterzienser durch die einzelnen Konvente und in den einzelnen Ordenszweigen. Damit war die Bitte um Aufnahme in die zisterziensische Familie als ein neuer Ausdruck des gelebten zisterziensischen Charismas verbunden. Die Delegierten kamen einstimmig zu dem Ergebnis: Zisterziensisches Leben ist auch außerhalb des Klosters möglich.

Laienzisterziensergemeinschaften können sehr unterschiedlich sein. Gemeinsam ist ihnen – mit oder ohne Versprechen – die Anbindung an ein Kloster. So zählen zu den Laienzisterziensern auch einige Säkularoblatengemeinschaften. Allen ist gemeinsam, dass Christen, die diesen Weg in Verbindung mit einem Kloster und mit Christus als Mitte gehen, den Weg der lebenslangen Umkehr leben sollen. Sie fühlen sich nicht nur von der Spiritualität eines Klosters angezogen, sondern sehen ihre Berufung darin, die dort gelebten und erlebten Werte und Traditionen in ihrem Leben – soweit es die Umstände erlauben – umzusetzen. Christus soll die Mitte ihres Lebens sein, das geprägt ist von der Eucharistie und dem Gebet, von der Balance zwischen Kontemplation und Aktion im Alltag. Beziehungen sollen durch die Liebe zu Christus verwandelt werden. Es eröffnen sich so neue Weisen, andere durch die Liebe Gottes zu lieben. Christen dieser neuen Bewegung wollen aktive Zeugen für Christus sein und ein Leben nach dem Evangelium führen. Dabei sollen sie sich von der Regel des heiligen Benedikt und den überlieferten Schriften der Zisterzienser leiten lassen.

Alle Initiatoren innerhalb dieser Bewegungen unterstrichen ausdrücklich, dass es bei den internationalen Treffen nicht darum gehe, Gemeinschaften zu zentralisieren. Sie blieben nach wie vor eng mit ihren Klöstern verbunden. Der Austausch untereinander und das Wissen umeinander soll jedoch den einzelnen Gemeinschaften Kraft geben, ihren Horizont erweitern und sie bereichern. Für die Laienzisterzienser wird es voraussichtlich im Jahr 2011 ein Wiedersehen in Iowa in Verbindung mit den Abteien New Melleray and Our Lady of Mississippi geben. Der Abtprimas der Benediktiner, Notker Wolf, lädt derzeit die Delegierten der Benediktineroblaten aus der ganzen Welt zum zweiten Weltkongress der Benediktineroblaten für 2009 nach Rom ein.

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