Würzburger Bischof: Zölibat ist die Lebensform Jesu

Der Würzburger Bischof Franz Jung betont die Bedeutung des Zölibats. Es gehe darum, täglich die Berufung zu erneuern und darin als Mensch zu reifen und zu wachsen.

Würzburger Bischof verteidigt Zölibat
Zölibatär Lebende seien stets aufs Neue gefordert, sich in ihrer gesamten menschlichen Entwicklung begleiten zu lassen, so Bischof Jung. Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

Der Würzburger Bischof Franz Jung hat die Bedeutung des Zölibat betont. In seiner Predigt bei der Diakonenweihe im Würzburger Kiliansdom am Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens ging Jung darauf ein, dass seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle und der Veröffentlichung der MHG-Studie immer wieder massiv Kritik am Zölibat geübt worden sei, „bis hin zur Forderung, die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ganz abzuschaffen als Kirchengebot“. Der Würzburger Bischof hält es jedoch für einen „Trugschluss zu meinen, mit einer solchen Forderung könne man den Missbrauch aus der Kirche verbannen“.

"Zölibat heißt nicht, dass man sich mit seiner Lebensform nicht lebenslang auseinandersetzen müsste"

Die Verpflichtung zum Zölibat könne zwar mit sich bringen, dass man sich nicht ausreichend mit der eigenen Sexualität auseinandersetze, so Jung in seiner Predigt. Auch könne ein reifer Umgang mit der eigenen Sexualität verhindert werden. „Zölibat heißt aber nicht, dass man sich mit seiner Lebensform nicht lebenslang auseinandersetzen müsste und die Auseinandersetzung mit der Weihe ein für alle Mal abgeschlossen wäre.“

Zölibatär Lebende seien stets aufs Neue gefordert, sich in ihrer gesamten menschlichen Entwicklung begleiten zu lassen. „Wir müssen reifen und unsere Sendung vertiefen“, so der Bischof. Dabei gehe es nicht darum, vollkommen zu sein, sondern die Bereitschaft mitzubringen, täglich die Berufung zu erneuern und darin als Mensch zu reifen und zu wachsen.

Jung: Der geweihte Mensch geht in dieser Welt nicht auf

Das Gleiche gelte für die Lebensform der Ehe und das Leben als Eltern, so Bischof Jung. Es müsse nachdenklich stimmen, wenn ein Großteil der Missbrauchstaten im familiären Kontext geschehe. Denn gerade dort müsste eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität stattgefunden haben.

„Der Zölibat ist die Lebensform Jesu selbst“, so Jung. Er verdeutliche, dass der geweihte Mensch in dieser Welt nicht aufgehe, sondern auf eine Vollendung hoffe, „die nur Gott allein geben kann, auf den hin unser Leben ausgerichtet ist“.

DT/mlu

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