Wie geht Reform?

Man müsse über die kirchliche Lehre und die Disziplin nachdenken, meinen die deutschen Bischöfe im Zuge der Missbrauchskrise.

Reformprozess der Kirche
"Es gibt schwule Geistliche genauso wie schwule Mitarbeiter und lesbische Mitarbeiterinnen in allen Bereichen kirchlichen Handelns", so der Münchner Generalvikar Peter Beer. Foto: Arne Dedert (dpa)

Es ist bekannt, dass das Verbot der Weihe von Männern mit klarer homosexueller Präferenz, das durch ein von Papst Franziskus approbiertes Schreiben der Kleruskongregation vor zwei Jahren noch einmal bekräftigt wurde, vielfach nicht eingehalten wird. Der Münchener Generalvikar Peter Beer erklärt in einem Interview zur Missbrauchsstudie: "Es gibt schwule Geistliche genauso wie schwule Mitarbeiter und lesbische Mitarbeiterinnen in allen Bereichen kirchlichen Handelns." Doch kann man das miteinander vergleichen? Inzwischen wissen wir, dass es unter den "schwulen Geistlichen" auch Bischöfe und Kardinäle gibt.

Zölibat geht zurück auf frei gewählte Lebensform der Ehelosigkeit

Jeder von ihnen hat bei seiner Weihe zum Diakon vor Gott und der Kirche versprochen, ehelos zu leben, also auf Familie und Kinder zu verzichten, und hat sich zu vollkommener sexueller Enthaltsamkeit verpflichtet. Der Zölibat geht zurück auf die frei gewählte Lebensform der Ehelosigkeit "um des Himmelreiches willen". Eine Ehe gibt es nach katholischem Eheverständnis aber nur zwischen einem Mann und einer Frau.

Eine gleichgeschlechtliche Ehe lehnt die katholische Kirche ab. Mit dem performativen Widerspruch, homosexuellen Priesterkandidaten bei ihrer Weihe das Versprechen abzunehmen, ehelos zu leben, scheint man sich nicht nur in München abgefunden zu haben. Es ist auch wenig wahrscheinlich, dass ein Bischof schon bald offen das katholische Eheverständnis in Frage stellen wird oder sich stattdessen entschließt, homosexuellen Priesterkandidaten bei ihrer Weihe das Versprechen abzunehmen, ihre Homosexualität nicht zu praktizieren.

Viele wollen Missbrauchskrise nutzen, um Abschaffung des Zölibats durchzusetzen

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Laienverbünde und eine Reihe von Theologen nutzen den Missbrauchsskandal, um die Abschaffung des Zölibats und eine Änderung der kirchlichen Sexualmoral durchzusetzen (damit verbinden sie auch die bekannte Forderung nach Frauenordination).

Doch was soll an die Stelle des Zölibats treten: die Wahl zwischen Ehe und Zölibat, oder eine Entkoppelung von Lebensform und geistlichem Amt? Was die Bischöfe diskutieren, erfahren Sie im Artikel von Helmut Hoping in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 11. Oktober. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT