Vatikanstadt

Was die Bischöfe von Greta Thunberg lernen können

Der Grad der Begeisterung der deutschen Bischöfe sagt mehr über die triste Situation der Kirche in Deutschland aus als über die Substanz der Botschaft einer perfekt vermarkteten jugendlichen Medienikone.

Klimaaktivistin Thunberg besucht Papst
Papst Franziskus begrüßt die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihren Vater, Svante Thunberg (M), während seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz im Vatikan. Foto: Uncredited (Vatican Media/AP)

Die Romreise der schwedischen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg hat unter deutschen Bischöfen schon im Vorfeld wohlwollendes Echo ausgelöst. Der Grad der Begeisterung sagt mehr über die triste Situation der Kirche in Deutschland aus als über die Substanz der Botschaft einer perfekt vermarkteten jugendlichen Medienikone mit Neigung zum Schuleschwänzen und zu sinnfreien Sprüchen ("Hass ist ein gutes Zeichen").

Kirche verfügt über erstklassiges Instrumentarium im Kampf für bessere Welt

Immerhin buchstabiert Greta den Aufruf zur Umkehr der Menschheit auf ihre säkularisierte Lesart mit einer Radikalität durch, von der deutsche Kirchenkreise lernen können. Manches wäre gewonnen, wenn sich Mitraträger und kirchliches Establishment mit gretascher Hartnäckigkeit für die Verbreitung des Evangeliums in der Öffentlichkeit einsetzten.

Im Einsatz für eine bessere Welt verfügt die Kirche über ein erstklassiges Instrumentarium - von der Beichte bis zur Schriftlesung und zur Verehrung der Eucharistie. Warum nicht die Karwoche als Zeitfenster für einen Appell zur Umkehr im Sinne einer Ausrichtung auf Christus nutzen? Die Wahrheit des Evangeliums verheißt wesentlich mehr, als Bischof Fürsts Einschätzung erahnen lässt, derzufolge der Protest der Sechzehnjährigen ein Aufruf an uns alle sei, unsere Lebensweise zu prüfen und notwendige Änderungen konkret umzusetzen.

Apokalypse einer Ersatzreligion bleibt belanglos angesichts der Sprengkraft der Evangelien

Lohnt es sich, just in der Karwoche jeden Zentimeter unseres Seins auf den Klimawandel zu fokussieren? Die fiktive Apokalpyse einer Ersatzreligion, die Greta und diejenigen, die sie zum Medienstar aufgebaut haben, so drehbuchgemäß postulieren, bleibt belanglos angesichts der Sprengkraft der Evangelien, die in diesen Tagen in den Kirchen verkündet werden.

Was fehlt jenen, die wie der Berliner Erzbischof Koch die Schwedin zwar nicht zu einem weiblichen Messias machen, aber dennoch daran erinnern wollen, "dass unsere Gesellschaft und auch unsere Kirche von Zeit zu Zeit echte Propheten braucht, die auf Missstände und Fehlentwicklungen hinweisen und Lösungswege vorschlagen". Die Osterbotschaft hinterlässt kein Hoffnungsdefizit, das die Welt mit einem unreif wirkenden Teenager füllen muss.

Warum die Romreise der Klima-Aktivistin ein weiteres Beispiel ist, wie sich die Kirche in Zeiten der Krise als gesellschaftspolitisch anschlussfähig darstellen will, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 18. April 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT