Köln

Verband der Religionslehrer fordert Modernisierung der Kirche

In einem Positionspapier wendet sich der Bundesverband der deutschen Religionslehrerinnen und -lehrer an die deutschen Bischöfe. Der Missbrauch und seine Vertuschung seien nur „die Spitze des Eisbergs, an dem das majestätisch stolze Schiff der Kirche unterzugehen droht, heißt es darin.

Religionsunterricht: Schüler halten Kirche für nicht authentisch
Der Religionslehrer-Verband ruft zu einem „Umdenken“ in Fragen von Sexualität und Homosexualität sowie zur „Wertschätzung der menschlichen, körperlichen Verfasstheit verbunden mit der Freude am Körper und der eigenen Sexualität“ auf. Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

Nachdem die Kirchenstreik-Bewegung „Maria 2.0“ kürzlich bereits eine „Modernisierung“ der katholischen Kirche hinsichtlich Sexualmoral, Zölibat und Frauenpriestertum forderte, sorgen nun deutsche katholischen Religionslehrer mit ähnlichen Forderungen für Aufmerksamkeit. In einem Positionspapier wendet sich der Bundesverband der deutschen Religionslehrerinnen und -lehrer an Gymnasien an die deutsche Bischofskonferenz.

Verband will "Verheutigung" theologischer Sprache

Der Missbrauch und seine Vertuschung seien nur „die Spitze des Eisbergs, an dem das majestätisch stolze Schiff der Kirche unterzugehen droht“, heißt es in dem Positionspapier. Die Forderungen klingen bekannt: Der Verband will eine „,Verheutigung' theologischer Sprache in allen kirchlichen Handlungsräumen und die mutige Übersetzung dogmatischer Formeln, so dass Menschen die befreiende Botschaft des Glaubens als lebendig machend wahrnehmen können“. Zudem rufen die Religionslehrer zu einem „Umdenken“ in Fragen von Sexualität und Homosexualität sowie zur „Wertschätzung der menschlichen, körperlichen Verfasstheit verbunden mit der Freude am Körper und der eigenen Sexualität“ auf. Ein „ehrlicher Blick in den eigenen Reihen“ im Hinblick auf diese Themen erscheine dringend notwendig.

Darüber hinaus fordere man „das Ende eines repressiven Umgangs mit innovativ denkenden Theolog*innen“. Kritische und unbequeme Stellungnahmen müssten als Chance wahrgenommen werden, nicht als Störfaktor, heißt es in dem Positionspapier. Mit Blick auf den von den deutschen Bischöfen beschlossenen „synodalen Weg“ fordert der Bundesverband aus jedem (Erz-)bistum eine Auskunft, wie dieser umgesetzt und als handlungsleitend konkretisiert werde.

"Sie entdecken in dem Handeln
der Amtskirche leider nicht mehr das,
was sie im Religionsunterricht durch
uns Religionslehrerinnen und Religionslehrer
als Botschaft Jesu vom Reich Gottes
kennen lernen und sich damit auseinandersetzen"
Gabriele Klingenberg, Vorsitzende des Bundesverbandes der katholischen Religionslehrerinnen und -lehrer

Im Gespräch mit dem Kölner Domradio erklärt die Vorsitzende des Bundesverbandes der katholischen Religionslehrerinnen und -lehrer, Gabriele Klingenberg, die Beweggründe für das Positionspapier. Den Schülerinnen und Schülern fehle vor allem Authentizität, so Klingenberg. „Sie entdecken in dem Handeln der Amtskirche leider nicht mehr das, was sie im Religionsunterricht durch uns Religionslehrerinnen und Religionslehrer als Botschaft Jesu vom Reich Gottes kennen lernen und sich damit auseinandersetzen.“

Klingenberg: Schüler fragen, wie wir für eine solche Institution arbeiten können

In der Schule würde man als Religionslehrer von Kollegen sofort mit Äußerungen, Handlungen und Nachrichten konfrontiert, die von der „Amtskirche“ kommen, so Klingenberg weiter. „Dafür möchten wir nicht mehr den Kopf hinhalten“, meint die Vorsitzende, und spricht von einer „großen Herausforderung“. „Dieser Herausforderung müssen wir uns auch jeden Tag im Unterricht stellen, weil die Schülerinnen und Schüler uns fragen, wie wir für eine solche Institution noch stehen und arbeiten können.“

DT/mlu

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