Vatikan und China: Hongkonger Gelehrte warnen vor Verhandlungen

Im Streit zwischen China und dem Vatikan haben sich Hongkonger Gelehrte in einem offenen Brief zu Wort gemeldet. Sie warnen vor Verhandlungen.

Joseph Zen Ze-kiun
Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, von 2002 bis 2009 Bischof von Hongkong, bei einer Tagung in Sankt Augustin. Foto: Jörg Loeffke (KNA)

Katholische Wissenschaftler, Anwälte und Menschenrechtler aus Hongkong, Großbritannien und den USA haben in einem offenen Brief an katholische Bischofskonferenzen weltweit dazu aufgerufen, die Verhandlungen des Heiligen Stuhls mit China zu überdenken. In dem Schreiben mit bislang rund 1 140 Unterschriften warnen die Unterzeichner vor nicht mehr rückgängig zu machenden Fehlern. Sie seien „tief schockiert und enttäuscht“ über eine mögliche Einigung zwischen dem Vatikan und Peking sowie eine mögliche Anerkennung von sieben „patriotischen“ chinesischen Bischöfen durch den Papst. Zur katholischen Kirche in China gehören einerseits Gläubige und Geistliche der sogenannten „Patriotischen Vereinigung“, die von der Regierung in Peking kontrolliert wird, sowie Priester, Bischöfe und Gemeinden, die allein Rom treu und von den Behörden nicht anerkannt sind. Allerdings sind die Grenzen zwischen „offizieller“ und „Untergrundkirche“ vielfach fließend. Seit 1957 bestehen zwischen dem Vatikan und der Volksrepublik China keine diplomatischen Beziehungen mehr. Vor knapp vier Jahren wurden Gespräche aufgenommen. Anfang Februar spekulierten Medien über einen möglichen „Durchbruch“; strittig in den Verhandlungen ist vor allem die Frage, wer Chinas Bischöfe ernennt - der Papst oder Peking.

In dem Brief betonen die Unterzeichner, dass „alle Bischöfe vom Heiligen Vater“ ernannt werden müssten. Die Regierung dürfe „keine Rolle beim Auswahlprozess spielen“. Das wäre der Fall, wenn eine von den Behörden kontrollierte Bischofskonferenz die Kandidaten bestimmt und der Papst diese bestätigt. Entschieden wenden sich die Unterzeichner gegen eine mögliche Anerkennung von sieben bislang nur von Peking ernannten „Bischöfen“, deren „moralische Integrität fraglich“ sei. Mit Verweis auf zerstörte Kirchen und verschärfte Kontrollen von Gläubigen in den vergangenen Jahren sorgen sich die Unterzeichner, „dass eine Vereinbarung Schäden verursacht, die sich nicht mehr beheben lassen“. Religionen seien in China immer verfolgt worden. Die Kommunistische Partei habe „eine lange Geschichte gebrochener Versprechen“. Die Bischöfe weltweit sollten auf den Heiligen Stuhl entsprechend Einfluss nehmen.
Mit ihrem Schreiben stellen sich die Unterzeichner auch hinter den ehemaligen Hongkonger Erzbischof, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun. Dieser hatte den Vatikan für seine Chinapolitik zuletzt scharf kritisiert. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin wies Zens Kritik zurück.

DT/KNA