Vatikan bekräftigt Nein zur Todesstrafe

Auch als Form der Selbstverteidigung sei die Todesstrafe nie gerechtfertigt, erklärt der vatikanische Außenbeauftragte Paul Richard Gallagher. Sie sei „unmenschlich und entwürdigend“.

Vatikan gegen Todesstrafe
„Der Anstieg der Länder, die die Todesstrafe verbieten, ist Zeichen der Entwicklung und des Bewusstseins, dass sie durch effektivere und weniger brutale Mittel ersetzt werden kann“, so Erzbischof Gallagher. Foto: Raed Qutena (EPA)

Bereits im Augst erklärte der Vatikan die Todesstrafe unter allen Umständen als unzulässig – jetzt ist diese Haltung von Seiten Roms noch einmal bekräftigt worden. Auch als Form der Selbstverteidigung sei die Todesstrafe „nie gerechtfertigt, erklärte Kurienerzbischof Paul Richard Gallagher am Mittwoch in Rom. Der vatikanische Außenbeauftragte, der oft auch als „vatikanischer Außenminister“ bezeichnet wird, stellte zudem einen positiven Wandel hinsichtlich der Akzeptanz der Todesstrafe fest: Die Ansicht, dass diese als letztes Mittel zum Schutz des Gemeinwohls legitim sei, sei immer weniger verbreitet, so Gallagher bei einem internationalen Treffen von Justizministern, das von der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio veranstaltet wurde.

Katholischer Glaube gebietet Respekt vor jedem Einzelnen

„Der Anstieg der Länder, die die Todesstrafe verbieten, ist Zeichen der Entwicklung und des Bewusstseins, dass sie durch effektivere und weniger brutale Mittel ersetzt werden kann“, wird Gallagher vom italienischen Pressedienst SIR zitiert. Als „unmenschlich und entwürdigend“ bezeichnete der vatikanische Außenbeauftragte die Todesstrafe demnach. Der katholische Glauben gebiete es vielmehr, den Respekt für den Einzelnen sowie das Gemeinwohl zu fördern. Dies sei durch die Änderung im Katechismus vom August, mit der die Ächtung der Todesstrafe beschlossen wurde, verdeutlicht worden.

Anfang August hatte die vatikanische Glaubenskongregation den Paragraf 2267 des Katechismus überarbeitet, in dem es nun heißt, dass „die Todesstrafe in Anbetracht des Evangeliums unzulässig ist, da diese einen Angriff auf die Unverletzlichkeit und die Würde des Menschen“ darstellt. Daher werde die Kirche nun mit Entschlossenheit darauf einwirken, dass die Todesstrafe weltweit abgeschafft werde.

Katechismus-Änderung Anfang August

Zuvor stand unter Paragraf 2267 folgender Wortlaut: „Unter der Voraussetzung, dass die Identität und die Verantwortung des Schuldigen mit ganzer Sicherheit fest steht, schließt die überlieferte Lehre der Kirche den Rückgriff auf die Todesstrafe nicht aus, wenn dies der einzig gangbare Weg wäre, um das Leben von Menschen wirksam gegen einen ungerechten Angreifer zu verteidigen.“

DT/mlu

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