Umbauarbeiten in Kärnten

Diözesanadministrator entfernt Vertraute von Bischof Schwarz aus Bildungshaus. Von Stephan Baier

Administrator für die Katholische Kirche in Kärnten ist Engelbert Guggenberger. Foto: Pressestelle Diözese Gurk/Höher

17 Jahre hatte Bischof Alois Schwarz die Kärntner Diözese Gurk-Klagenfurt regiert. Nur einen Tag nach seinem Amtsantritt als Bischof von St. Pölten begann sein vormaliger Generalvikar Engelbert Guggenberger (65) in Kärnten mit den Umbauarbeiten. Dompropst Guggenberger, der Bischof Schwarz fast ein Jahrzehnt lang als Generalvikar zur Seite stand, wurde vom Gurker Domkapitel zum Diözesanadministrator gewählt. Er trat sein Amt mit der Erklärung an, er wolle den von Schwarz eingeschlagenen Weg der menschennahen Seelsorge fortsetzen, es sei ihm zugleich mit Blick auf die kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Anliegen, „durch Klarheit, Entschiedenheit und Transparenz in meinem Kommunikations- und Führungsstil verloren gegangenes Vertrauen in die Diözesanleitung wieder herzustellen“. Das klang bereits nach einer Distanzierung vom bisherigen Führungsstil.

Zur Tat schritt der neue Diözesanadministrator sogleich beim bischöflichen Mensalgut, als Stiftung gegründet 1072 von der späteren Landespatronin, der heiligen Gräfin Hemma. Bereits in der ersten Stellungnahme vor Journalisten erklärte Guggenberger, das Domkapitel habe entschieden, den Ökonom des Mensalgutes, den Gurker Stiftspfarrer Gerhard Christoph Kalidz, zu beauftragen, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, um einen Überblick über die wirtschaftliche und personelle Situation sowie über das Arbeitsklima dort zu erhalten. Obgleich das Kirchenrecht bestimmt, dass „während der Sedisvakanz nichts verändert werden“ darf (CIC can. 428), folgten bereits am Tag darauf Taten: Dem Geschäftsführer des Mensalgutes wurde ein Geschäftsführungsbeirat unter Leitung von Kalidz zur Seite gestellt. Der Wirtschaftsverwaltungsrat des Mensalgutes, der seit Februar nur mehr beratende Funktion hatte, erhielt mit sofortiger Wirkung „die dem Kirchenrecht entsprechende Funktion eines Kontroll- und Aufsichtsorgans“, hieß es in einer Erklärung. Dazu wurde „das dem kirchlichen Vermögensrecht widersprechende Statut“ vom 1. Februar aufgehoben und die zuvor geltende Geschäftsordnung wieder in Kraft gesetzt.

In einem Interview mit der Kärntner Ausgabe der „Kleinen Zeitung“ sagte der Diözesanadministrator, eine erste Analyse habe ergeben, dass es im Bereich des Mensalgutes „Probleme betreffend Arbeitsklima sowie wirtschaftliche und personelle Situation gibt“. Darauf wollten er und die von ihm eingesetzten Vertrauensleute „zügig, aber sorgfältig“ reagieren, „die Wahrheit auf den Tisch bringen und uns im Rahmen des kirchlichen Rechts bewegen“.  Er selbst habe, „ebenso wie andere hochrangige Kirchenvertreter und Führungskräfte auch, Schieflagen, fragwürdige Entwicklungen und Wahrnehmungen betreffend des persönlichen Umfelds des Bischofs ihm persönlich gegenüber und auch in Gremien immer wieder angesprochen“. Er habe jedoch zur Kenntnis nehmen müssen, dass Funktionen und Entscheidungen von der Ebene der Diözese auf jene des Mensalguts verlagert wurden, „wo wir nichts mitzureden hatten“. Hinsichtlich des Mensalguts der heiligen Hemma ist der Kärntner Diözesanbischof inhaltlich und wirtschaftlich alleine verantwortlich.

Der nächste Paukenschlag folgte nur wenige Tage später: Der Geschäftsführer des Mensalguts schickte die Leiterin des Bischöflichen Bildungshauses Stift St. Georgen am Längsee, Andrea Enzinger, mit sofortiger Wirkung in den Urlaub. „Diese Maßnahme wurde gesetzt, um eine objektive Analyse der Abläufe und Strukturen im Bischöflichen Bildungshaus St. Georgen, einer Einrichtung des Bischöflichen Mensalgutes, zu gewährleisten“, heißt es dazu in einer Stellungnahme der Pressestelle der Diözese Gurk-Klagenfurt von Samstag. Andrea Enzinger ist jene Vertraute von Bischof Alois Schwarz, deren Vertrauensverhältnis zum Bischof bereits 2008 und nun erneut wieder für mediale Spekulationen gesorgt hatte.